Bisher existiert zwischen Europa und Südamerika lediglich ein Glasfaser-Telekommunikationskabel namens Atlantis-2. Dessen Kapazitäten sind allerdings begrenzt, sodass darüber fast ausschließlich Telefonate geleitet werden. Internetverbindungen zwischen Europa und Lateinamerika hingegen laufen in aller Regel über die Vereinigten Staaten. Dies wurde im Jahr 2014 zum Problem als im Rahmen der NSA-Affäre herauskam, dass die Vereinigten Staaten sowohl die deutsche Bundeskanzlerin als auch die damalige brasilianische Regierungschefin abgehört hatten. Das Vertrauen in die Datensicherheit in den USA war damit verloren, sodass die beiden Politikerinnen beschlossen, ein eigenes Internet-Kabel zu verlegen, um eine direkte Kommunikation zwischen Europa und Lateinamerika zu ermöglichen. Ursprünglich war die Fertigstellung für das Jahr 2016 anvisiert. Nun soll zumindest mit dem Bau begonnen werden.


Bild: Ellalink

Die Bandbreite liegt bei 72 TBit/s

Das Projekt firmierte zunächst unter dem Namen eulaLink, wurde inzwischen aber in EllaLink umbenannt. Die Baukosten werden auf rund 185 Millionen Dollar geschätzt. Der überwiegende Teil davon soll von Brasilien finanziert werden, weil das Land sich auch den größeren Nutzen durch das Projekt verspricht. Aber auch die Europäische Union investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in das neue Tiefseekabel. Genau genommen handelt es sich sogar um mehrere Kabel, denn es sollen gleich vier Glasfaserpaare verlegt werden. Insgesamt ergibt sich daraus dann eine Bandbreite von 72 TBit/s. Diese zusätzlichen Kapazitäten sollen dazu beitragen, die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Europa und Lateinamerika sowie innerhalb des südamerikanischen Kontinents zu verringern. Deshalb stellt die Europäische Union auch Mittel aus dem Fonds für für regionale Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung.

Das Kabel soll nächstes Jahr einsatzbereit sein

Verlaufen wird das 9.200 Kilometer lange Kabel zwischen Portugal und den brasilianischen Hafenstädten Porto Alegre, Sao Paulo und Fortaleza. Von dort aus sind dann weitere Verbindungen innerhalb Lateinamerikas geplant. So sollen unter anderem auch Buenos Aires und Santiago de Chile angeschlossen werden. Auf europäischer Seite wiederum sollen beispielsweise Madrid und Marseille von der direkten Glasfaserverbindung profitieren. Aktuell gehen die ausführenden Firmen davon aus, dass das neue Tiefseekabel im Jahr 2020 einsatzbereit sein wird. Schaut man sich allerdings die Geschichte des Projekts an, sind weitere zeitliche Verzögerungen nicht auszuschließen. Es wird zudem nicht das einzige neue Tiefsee-Glasfaserkabel in Europa sein. Erst vor rund einem Jahr haben Microsoft und Google den Bau einer ähnlichen Verbindung zwischen Europa und den USA abgeschlossen.


Via: Lightwave

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