Nicht nur Autos, auch Binnenschiffe sollen künftig autonom unterwegs sein. So jedenfalls stellt es sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) vor. Basierend auf dem europäischen Navigationssystem Galileo, das weitaus genauer ist als die, die die USA (GPS), Russland (Glonass) und China (Beidou) sollen die Wasserfahrzeuge ihre Routen selbst berechnen, miteinander kommunizieren, um Kollisionen zu verhindern, und Fracht ohne Zutun von Menschen ordnungsgemäß verladen und im Bestimmungshafen ebenso automatisch löschen.


Das DLR will dazu an der Spree-Oder-Wasserstraße, die zwischen Oder und Berlin verläuft, ein Testgebiet zwischen den Häfen von Eisenhüttenstadt und Königs Wusterhausen einrichten. „Dort, im Osten Brandenburgs, haben wir dann die Möglichkeit, einzelne Basistechnologien zu testen, die das Binnenschiff Schritt für Schritt weiter automatisieren“, sagt Ralf Ziebold vom DLR-Institut für Kommunikation und Navigation in Neustrelitz.

Bild: DLR

Vier Assistenzsysteme sind schon einsatzbereit


Der Anfang ist bereits gemacht. Am 22. März 2018 legte das Binnenschiff MS Jenny 20 Kilometer zeitweise autonom auf dem Main zurück und passierte dabei zwölf Brücken. Insgesamt besteht das dort eingesetzte Assistenzsystem aus vier Modulen, darunter eins, das den Kapitän beim Anlegen entlastet und eins, das prüft, ob die nächste Brücke gefahrlos unterfahren werden kann.

Jetzt arbeiten die Forscher an einem System, das es Schiffen ermöglicht, ohne menschliche Hilfe in Schleusen einzufahren und sie wieder zu verlassen. All diese Techniken und weitere, die komplett autonomes Fahren möglich machen, werden auf der Versuchsfläche getestet. Im nächsten Jahr soll sie in Betrieb genommen werden.

Schiffe sollen die Autobahnen entlasten

Autonom fahrende Schiffe sollen, und das ist der Hintergedanke, einen Teil des Güterstraßenverkehrs aufs Wasser verlagern. Der Bundesverkehrswegeplan sieht vor, dass bis zum Jahr 2030 der Güterverkehr mit Binnenschiffen um 23 Prozent wachsen soll. Um das zu erreichen müsse das Binnenschiff wettbewerbsfähiger werden, so Ziebold. Dazu könnten die Assistenzsysteme beitragen, indem sie stets die energiesparendsten Routen und die effektivste Fahrweise wählten.

Das Versuchsfeld bietet ideale Voraussetzung. Der Schiffsverkehr ist gering, sodass es kaum zu Kollision mit Gefahrguttransporten kommen könne. Außerdem verfügt die Strecke über wichtige Infrastrukturen wie Häfen und Schleusen.

via DLR

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.