Schon seit Jahren wird in der Politik das Ziel formuliert, mehr Menschen davon zu überzeugen, das Auto stehen zu lassen und stattdessen die Bahn zu nutzen. Doch nicht immer folgten diesen Ankündigungen auch konkrete Taten. So monieren Kritiker bereits seit Jahren, dass zu viel Geld in neue Straßen fließt und zu wenig in den Ausbau des Schienennetzes investiert wird. In einem neuen Strategiepapier, aus dem unter anderem Der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung zitieren, hat der Bahn-Vorstand nun aber ein ambitioniertes Ziel formuliert: Demnach soll die Zahl der Nutzer verdoppelt werden. Um diese Zielmarke zu erreichen, werden zudem fünf konkrete Schritte benannt:


1. Das Angebot wird ausgebaut

Es scheint auf der Hand zu liegen, ist aber dennoch von entscheidender Bedeutung: Um mehr Passagiere transportieren zu können, müssen auch mehr Plätze zur Verfügung stehen. Dies soll durch ein Bündel an Aktionen erreicht werden. Zum einen sollen schlicht mehr Züge gekauft werden als bisher geplant. Im Fernverkehr ist daher die Anschaffung von 120 zusätzlichen Zügen geplant. Der vorhandene Bestand soll zudem effizienter genutzt werden. Deshalb wird die Wartung weiter optimiert und ausgebaut. Die Züge sollen also weniger Zeit in der Werkstatt und mehr auf der Strecke verbringen. Außerdem ist geplant, auf viel genutzten Strecken schlicht mehr Waggons einzusetzen. In den Zügen im Nah- und Fernverkehr soll zudem der vorhandene Raum besser genutzt werden, um noch mehr Transportkapazitäten zu schaffen.


2. Investitionen in das Streckennetz

Insbesondere auf viel befahrenen Strecken und an Knotenpunkten stößt das Netz allerdings bereits jetzt an seine Grenzen. Um mehr Züge fahren zu lassen, ist hier ein Ausbau zwingend notwendig. Außerdem sollen einige Strecken – etwa zwischen Düsseldorf und Berlin sowie zwischen Hamburg und Stuttgart – zu Schnellstrecken werden. Das vorhandene Netz soll zudem mit moderner Technik ausgestattet werden. Eine Digitalisierung des Fernverkehrsnetzes hätte beispielsweise zur Folge, dass die Züge weitgehend automatisch geleitet werden könnten. Dadurch ließe sich wiederum ein dichterer Takt und damit eine effizientere Nutzung der vorhandenen Schienen erreichen.

3. Verbesserte Anbindungen

Damit mehr Leute ihr Auto tatsächlich stehen lassen und die Bahn nutzen, sollen die Anbindungen deutlich verbessert werden. So ist geplant, die 30 größten deutschen Städte zukünftig im Halbstundenrhythmus miteinander zu verbinden. Gleichzeitig soll das Angebot der Bahn nicht mehr einfach am Bahnhof enden. Stattdessen sollen diese zu Moilitätsdrehscheiben ausgebaut werden. Konkret bedeutet dies, dass beispielsweise Carsharing-Angebote integriert werden. Auch auf dem aktuell stark gehypten Markt für E-Scooter könnte die Bahn mitmischen. Auf den Bahnhöfen selbst soll es zudem zusätzliche Angebote für die Kunden geben. So etwa mietbare Arbeitsplätze, um Wartezeiten sinnvoll zu nutzen.

4. Mehr Mitarbeiter – weniger Berater

Insgesamt sollen in den nächsten Jahren 100.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Gleichzeitig verlassen aber auch Leute das Unternehmen – etwa weil sie in Rente gehen oder den Arbeitgeber wechseln. Dennoch ist klar: Am Ende wird die Bahn noch einmal deutlich mehr Mitarbeiter haben als bisher. Gleichzeitig wird es auf der Organisationsebene einschneidende Veränderungen geben. So soll die Zahl der externen Berater auf ein Minimum reduziert werden. Stattdessen werden die hauseigenen Manager eindeutige Aufgabengebiete erhalten und die dort anfallenden Probleme dann auch selbstständig lösen. Auf diese Weise sollen auch weniger Task Forces benötigt werden, die einzelne Probleme lösen, aber die Gesamtstruktur verändern.

5. Der Knackpunkt: Mehr Geld für die Bahn

Keine der vier benannten Maßnahmen wird wirklich preiswert. Durch mehr Kunden könnte zwar in Zukunft auch mehr Geld eingenommen werden. Doch zunächst muss dafür kräftig investiert werden. Das nötige Geld soll zum einen im Konzern selbst generiert werden. So ist geplant, sich wieder mehr auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Einige in der Vergangenheit zugekaufte Konzerntöchter könnten daher verkauft werden. Ganz ohne Risiko ist das aber nicht. Denn zukünftig fehlen dann die Erträge aus diesen Geschäftsbereichen. Zusätzlich soll die Politik in die Pflicht genommen werden und mehr Geld für die Bahn bereitstellen. An diesem Punkt dürfte sich entscheiden, ob die geplante Strategie tatsächlich umgesetzt werden kann.

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping
Tags

3 Kommentare

  1. Ryssel

    7. Juni 2019 at 13:48

    Die idee ist hervorragend hoffentlich auch umgesetz
    Und vor meiner Haustüre auch montierten
    Gruß Walter

  2. Björn

    11. Juni 2019 at 14:04

    Zu 1.
    Kürzer in der Werkstatt? Das wird zu Katastrofen führen, hoffe die stellen auch mehr Mechaniker ein, die die Arbeiten in kürzerer Zeit erledigen können.
    Sind die Herren von der Bahn schonmal in der Hauptverkehrszeit mit dem Zug gefahren??? Die sind knüppel dicke voll. Die wagons müssen individuell angepasst werden, Nachts z.B. muss kein 5 Wagon langer Zug durch die Gegend fahren(Strom sparen) dafür müssen Tags über mehr Wagons an die Loks.
    Zu 2.
    zu Schnellstrecken ausbauen? Pahh schon wieder? Das war doch schon vor 20 Jahren gemacht worden. Dann bitte zusätzliche Gleise, auf denen NUR Schnellzüge fahren.
    Zu3.
    Klingt gut, wird aber am Geld scheitern, zum Ende heißt es dann. . . Wir machen das mit den Fähnchen. Und was ist mit Parkplatzangeboten? an einigen Bahnhöfen könnten die PKW übereinander stehen und es würde nicht langen.
    Zu 4.
    Wenn DB es schafft 100k arbeitende Mitarbeiter einzustellen wäre das ein Traum, glaubs aber erst wenn es geschafft ist.(Dann hätte sich der erste Kritikpunkt bei 1. erledigt.)
    Zu 5.
    Ja is klar, wenns um Geld geht Steuerzahler. . . LMAA
    Die Bahn 100% verstaatlichen, dann gern. Und zwar OHNE den aktuellen Anteilseignern Geld zu schenken.

  3. Max L.

    12. Juni 2019 at 08:51

    Die Deutsche Bahn AG ist bereits vollständig in staatlichem Besitz. Es gibt keine weiteren Anteilseigner.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.