Wir brauche ein neues Mobilitätskonzept, vor allem in den Städten. Staus, schlechte Luft und vollgeparkter öffentlicher Raum mindern die Lebensqualität – die Menschen möchten wieder mehr Freiraum, Natur und eine gesunde Umgebung. Doch wie wir wissen, bereitet der Weg dorthin leider ziemliche Probleme.


Von Unbekannthttp://www.fietsberaad.nl/index.cfm?lang=nl&section=nieuws&mode=newsArticle&repository=Eerste+deel+fietssnelweg+F35+geopend, CC BY-SA 2.5, Link

Aus Hilflosigkeit gegenüber Verboten entsteht Wut auf die Politik

Bislang setzt die Politik eher auf den Verbotshammer, der zuerst ältere Wagen, dann einen Großteil der Dieselfahrzeuge aus den Städten verbannt. Das verärgert und überfordert viele autofahrende Stadtbewohner und Pendler, vor allem auch finanziell. Wer sich einen sparsamen Diesel gekauft hat, der hat oftmals nicht besonders viel Geld auf der hohen Kante. Ein neues Auto zaubert er sich nicht mal eben aus dem Hut, doch was soll er tun, um trotz Fahrverboten zu seiner Arbeitsstelle zu gelangen? Aus Hilflosigkeit entsteht oftmals Wut auf eine Politik, die solche wichtigen Fragen des Lebens einfach außer Acht lässt. Warum nicht das Pferd von der anderen Seite aufzäumen und neue Anreize setzen, statt die Menschen mit Verboten zu gängeln?

Traurig: 35 Euro pro Kopf und Jahr für den Schienenverkehr

Aktuell kostet es einen Einwohner Berlins beispielsweise 10,40 Euro pro Jahr, seinen Wagen auf einen Anwohnerparkplatz seiner Wahl abstellen zu dürfen. Ein Carsharing-Anbieter hingegen bezahlt für jedes Auto seiner Flotte 85 Euro pro Monat! Eigentlich sollte das Carsharing so attraktiv und günstig wie möglich sein, doch die Kunden müssen mit hohen Gebühren die entstehenden Unkosten auffangen. Und so geht es weiter: In Deutschland werden pro Einwohner 35 Euro in die Deutsche Bahn investiert, in der Schweiz fließen 350 Euro pro Kopf und Jahr in den Schienenverkehr. Entsprechend attraktiv ist das Schweizer Netz, entsprechend marode das Deutsche. Hinzu kommen verwirrende Tarifstrukturen und teilweise schlechte, zeitintensive Verbindungen. Gar nicht erst zu reden von den vielen Unannehmlichkeiten wie Verspätungen, Zugausfällen und vollgestopfte Waggons! Im ländlichen Raum existieren stillgelegte Strecken wie zum Beispiel die Ablachbahn, die sich wiederbeleben ließen, um Pendler und Bodensee-Urlauber zu transportieren. Wenn dein ein Wille dazu vorhanden wäre.


Eine bessere Infrastruktur für Fahrräder würde mehr Menschen aufs Rad locken, doch auch da stehen gewaltige Hindernisse im Weg. Beispielsweise lässt sich eine Autostraße nur dann in eine Fahrradstraße umwandeln, wenn nachgewiesen ist, dass dort bereits mehr Räder als Kraftfahrzeuge unterwegs sind. Ein unmögliches Unterfangen, wenn die Maßnahme dazu dienen soll, die Menschen erst aufs Fahrrad zu locken! Und so geht es weiter und weiter, über die teils hohen Preise für den öffentlichen Nahverkehr bis zur kaum vorhanden Innovationsfreude in diesem Bereich. Was denkt ihr, sollten wir mehr Kraft, Zeit und Geld in neue Anreize stecken und den Verbotshammer stattdessen wieder einpacken?

Quelle: deutschlandfunk.de

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4 Kommentare

  1. Uwe

    7. April 2019 at 11:45

    Nix da! Schluss mit dem Populismus! Dem Nachplappern von massentauglichen Verzögerungstaktiken aus Gründen der Anzeigengenerierung beim investierten Kapital in steinzeitliche Technologien.

    Nur Verbote helfen!

    Und zwar keine auf der Basis weich gespülter Grenzwerte, die viel zu hoch angesetzt sind, sondern radikal und disruptiv – so wie es andere Nationen, die weit größere Weltmarktbedeutung haben, bereits vormachen.

    Norwegen, Indien, China, halb Europa hat sich auf generelle Zulassungsverbote festgelegt.

    Notwendige Schritte:

    1. Verabschiedung von § 20 a GG mit der Aufnahme des Umweltschutzes als Staatsziel
    2. Sofortige Fahrverbote für alle Fahrzeuge mit Abgasausstoss bei Grenzwertüberschreitung von mehr als 20 ppm/m3.
    3. Schadenersatz durch die Hersteller der Fahrzeuge an die Halter der Betroffenen
    4. Zulassungsverbot für alle Benzin- und Dieselantriebe ab 2025
    5. Zulassungsverbot für alle Fahrzeuge die nicht den Richtlinien der aktuellen Rechtsprechung (auch WLTP-Verordnung) ab sofort und Fahrverbot bundesweit.

    Alles andere ist vorsätzliche Körperverletzung in massenhaftem Ausmaß und die Verhinderung ist organisierte Kriminalität, gegenteilige populistische Trendsetzung ist Beihilfe.

  2. Uwe

    7. April 2019 at 11:51

    Es entsteht weit mehr Wut auf die Politik, wegen der zögerlichen Umsetzung und der lobbyistischen Verhinderungstaktik bei der Grenzwertfestsetzung und -einhaltung.

    Wenn schon Kinder sich genötigt sehen, ihren berechtigten Protest gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen (Umwelt und finanzielle Systemressourcen in den Sozialversicherungen und der medizinischen Versorgung) durch Massendemos anzumelden,

    dann müsste auch dem letzten Kleinaktionär von VW, BMW oder Mercedes klar sein, dass er auf die falschen Pferde setzt – aus Gewinnsucht.

  3. Mücke

    9. April 2019 at 14:01

    Hallo Uwe,
    ich gebe dir in fast allen Punkten recht. Dennoch halte ich ein Zulassungsverbot für alle Benzin und Dieselantriebe für unrealistisch.
    Wir müssen erstmal genügend sauberen Strom produzieren um die E-Fahrzeuge zu laden. Auch finde ich das die Fahrzeuge (besonders die Akkus) noch nicht ausgereift sind. Wer will sich den wie bei seinem Handy oder Laptop alle 2-3 Jahre einen neuen Akku für sein Auto kaufen ?

    Aber als Sofortmaßnahme sollte ein Tempolimmit durchgesetzt werden. In andern Ländern ( Frankreich, NL) fährt es sich viel entspannter und der enorme Spritverbrauch bei mehr als 120 km/h würde sofort Wirkung zeigen !

    Das Argument der Hersteller, dass bei Tempolimit nicht mehr so viele Deutsche Fahrzeuge verkauft werden hat sich in den Nachbarländern nicht bewarheitet.

    GRuß

  4. Andro Wegner

    9. April 2019 at 23:20

    Ich bin für eine klare Vision und ein ganzes Netzwerk unterschiedlicher Maßnahmen.

    Dazu gehören attraktive Angebote für Pendler – sowohl ÖPNV als auch entsprechende Radschnellwege. Aber auch Umwandlungen und Einschrãnkungen. Schrittweise Abschaffung freier Parkplätze. Autos gehören ins Parkhaus. Tempo 30 für alle Nebenstraßen. Ausweitung der Fußgänger-Zonen. Ausreichend Platz für Fußgänger, Radler, Roller etc., so dass die sich nicht in die Quere kommen. Moderne, intelligente ÖPNV-Angebote für ländliche Regionen. Überlegungen zur Gentrifizierung: Wer zieht aufs Land, weil er sich die Mieten in der Stadt nicht mehr leisten kann? Wer zieht in die Stadt, weil das urbane Leben für ihn attraktiv ist? Wie wird man beiden gerecht?

    Natürlich spielen auch Verbote eine Rolle, aber nicht die wichtigste. Ich halte Tempo 30 Zonen für intelligenter als Fahrverbote. Unterstützung für Dienstleister und Transport-Unternehmen in Sachen E-Mobilität und Umstieg auf Lasten-Räder für die letzte Meile für sinnvoller als die Kontrolle der Fahrzeuge, die in die Stadt kommen. Weniger Parkplätze, ausreichende Gebühren und gute Radwege tun ein Übriges. P&R Parkplätze für Autofahrer, Radler und Roller. Carsharing, Ridesharing, autofreie Stadtviertel – in Absprache mit den Anwohnern, etc.

    Ich denke, man sollte die Autobranche nicht verteufeln oder kaputt machen, sondern nach zukunftsfähigen Geschäftsmodellen suchen, die Umwelt und Gesellschaft weniger belasten. Die Beteiligung an Infrastruktur- und Mobilitäts-Dienstleistungen oder die Umrüstung von Diesel auf H2 erscheinen mir da viel versprechend.

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