Unstrittig ist: Grundsätzlich lassen sich durch eine reine Bio-Landwirtschaft Klima-Emissionen einsparen. Studien kamen zu dem Ergebnis, dass beim Obst- und Gemüseanbau der Ausstoß rund zwanzig Prozent niedriger liegt als bei konventionellem Anbau. Im Bereich der Nutztierhaltung liegt der entsprechende Wert immerhin noch bei vier Prozent. Laurence Smith von der Royal Agricultural University in Großbritannien hat nun aber berechnet, was passieren würde, wenn ganze Regionen – in diesem Fall: England und Wales – tatsächlich auf eine reine Öko-Landwirtschaft umschwenken. Das Ergebnis erscheint auf den ersten Blick paradox: In diesem Fall würden die verursachten Emissionen lokal zwar sinken, insgesamt aber um den Faktor 1,7 ansteigen. Erklären lässt sich dies mit den Auswirkungen auf die Lebensmittel-Importe.


Hinrich [CC BY-SA 2.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Die Lebensmittelverschwendung ist ein zentrales Problem

Denn die Umstellung auf eine rein biologische Landwirtschaft würde auch die Erträge sinken lassen. Folgt man den Berechnungen der Forscher, ist mit einem Rückgang um vierzig Prozent zu rechnen. Nimmt man nun an, dass sich die Essgewohnheiten der Menschen in England und Wales nicht ändern, müssen also zusätzliche Lebensmittel importiert werden. Durch den Anbau an anderer Stelle und die dadurch nötigen Transporte entstehen die in der Studie postulierten zusätzlichen Emissionen. Grundsätzlich lassen sich diese Ergebnisse auch auf Deutschland übertragen. Wichtig ist aber: Es gäbe eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, diese Problematik zu umgehen. Wenn es nämlich gelänge die Lebensmittelverschwendung mehr oder weniger vollständig auszumerzen, wäre eine Umstellung auf Öko-Landbau möglich, ohne dass zusätzliche Emissionen verursacht werden.

Bio-Landwirtschaft bringt noch weitere Vorteile mit sich

Hinzu kommt: Zwischen dem aktuellen Stand und einer vollständigen Umstellung auf Bio-Landwirtschaft gibt es noch jede Menge Spielraum. So kamen Studien in Deutschland zu dem Ergebnis, dass rund sechzig Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet werden könnten, ohne dass die Emissionen ansteigen. Aktuell liegt der Anteil aber lediglich bei neun Prozent. Befürworter verweisen zudem darauf, dass die eingesparten Emissionen keineswegs das einzige Argument für eine ökologische Landwirtschaft sind. Vielmehr könne diese beispielsweise auch dazu beitragen, Bodenerosionen zu vermeiden, die Artenvielfalt zu erhalten und eine Überdüngung zu vermeiden. Auf der anderen Seite werden aber auch deutlich mehr Flächen benötigt, um dieselbe Menge an Lebensmitteln zu produzieren.


Via: Nature

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