Frankreichs Regierung hat die Entwicklung eines eigenen Messaging-Dienstes in Auftrag gegeben. Dieser wird aktuell bereits von rund 20 Beamten getestet und soll später von der gesamten französischen Regierung genutzt werden. Hintergrund der Entscheidung ist ein Dilemma: Messenger-Dienste erleichtern die Kommunikation enorm und bieten deutlich mehr Möglichkeiten als die von Bundeskanzlerin Merkel noch gerne genutzte SMS. Doch in Sachen Datensicherheit werfen sie auch Fragen auf. WhatsApp etwa ist Teil des Facebook-Konzerns, der zuletzt wegen eines all zu laxen Umgangs mit den Daten der Nutzer in die Kritik geriet. Außerdem ist unklar, inwieweit sich die amerikanische Regierung im Zweifelsfall Zugriff auf die Inhalte verschaffen könnte. Bisher nutzt Frankreich Präsident Macron daher die Alternative Telegram.


Bisher eifriger Telegram-Nutzer: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Foto: Kremlin.ru [CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0)], via Wikimedia Commons

Die Neuentwicklung basiert auf einer Open Source Lösung

Doch auch hier warfen Sicherheitsanalysen einige Fragen auf, die bisher nicht abschließend beantwortet werden konnten. Letztlich hat sich die französische Regierung daher nun für die Entwicklung in Eigenregie entschieden. Technische Details wurden bisher nicht bekannt gegeben. Einige Anzeichen sprechen aber dafür, dass der neue Messenger auf der quelloffenen Messaging-Lösung Matrix basiert. Die nun laufenden Tests sollen zeigen, ob es den Entwicklern gelungen ist, hohe Datensicherheit mit einer einfachen Nutzung zu kombinieren. Dass dies gar nicht so einfach ist, zeigt eine Episode aus der deutschen Bundesregierung: Lange Zeit galt die Nutzung der Krypto-Handys dort als so kompliziert, dass oftmals private Mobiltelefone genutzt wurden – obwohl dies per Verwaltungsvorschrift untersagt war.

Einheimische Entwicklungen haben es auch in Frankreich schwer

Verlaufen die Tests in Frankreich nun erfolgreich, soll die neue Messaging-App noch in diesem Jahr für alle Regierungsmitglieder verpflichtend eingeführt werden. Anschließend ist dann angedacht, die Neuentwicklung auch allen französischen Bürgern zur Verfügung zu stellen. Einen genauen Zeitplan dafür gibt es allerdings noch nicht. Zumal es nicht wirklich sicher ist, ob die Franzosen tatsächlich bereit sind, auf die einheimische Alternative zu wechseln. Die französische Google-Alternative Qwant jedenfalls kommt im eigenen Land aktuell lediglich auf einen Marktanteil von vier Prozent. Auch bei diesem Projekt soll das Thema Datenschutz im Vordergrund stehen: Die Entwickler versprechen, dass objektive Suchergebnisse angezeigt und keine Nutzerdaten ausgewertet werden.

Via: Reuters


Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.