Die Stadtverwaltung in Mainz hat sich beim Umbau der Großen Langgasse für besonders teure Pflastersteine namens „Airsave“ entschieden. Dafür sollen diese aber auch beeindruckende Fähigkeiten besitzen: In Verbindung mit Sonnenlicht sorgen sie dafür, dass gefährliche Stickoxide aus der Luft in unbedenkliches Nitrat verwandelt werden. Großflächig installiert können die Pflastersteine also dazu beitragen, die Luftqualität zu verbessern. Verschiedene Umweltorganisationen sind von der Nutzung dennoch alles andere als begeistert. Denn die Steine sind mit Titandioxid versetzt – und dieser Stoff ist höchst umstritten. So gilt es mittlerweile als wahrscheinlich, dass die Europäische Union noch in diesem Monat eine Einstufung als „wahrscheinlich krebserregend“ vornehmen wird. In Mainz wird daher diskutiert, ob die Platten dann überhaupt noch genutzt werden sollten.


Bild: AmtingJ [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons

Titandioxid kommt auch bei vielen Alltagsprodukten zum Einsatz

Stadtverwaltung und Hersteller versuchen die Einwohner allerdings zu beruhigen. So geht die Gefahr vor allem von kleinen Staubpartikeln aus, die sich in der Lunge ablagern können. Demnach wäre Titandioxid in gebundener Form unbedenklich und die Pflastersteine wären keine Gefahr mehr, sobald sie einmal verlegt wurden. Folgt man diesen Ausführungen handelt es sich um ein Thema für den Arbeitsschutz, das den normalen Bürger der Stadt aber nicht betrifft. Titandioxid kommt zudem nicht nur bei den luftreinigenden Pflastersteinen zum Einsatz, sondern ist ein flexibel einsetzbarer Universalrohstoff. Zu finden ist er beispielsweise auch in Kaugummis, in Zahnpasta und in Papier. Der Hersteller der Pflastersteine, die Firma Godelmann GmbH, hat inzwischen auch eine Unbedenklichkeitserklärung vorgelegt, der zufolge es in Sachen Krebsgefahr bei der normalen Nutzung keine Unterschiede zu herkömmlichen Betonprodukten gibt.

Die Europäische Union denkt über Warnhinweise nach

In Mainz sollen die praktischen Steine daher auch weiterhin verbaut werden. Von einer Idee hat man sich allerdings wieder verabschiedet. Zwischenzeitlich war überlegt worden, Titandioxid in den Straßenbelag einzuwalzen. Allerdings konnte bei dieser Vorgehensweise bisher noch kein luftreinigender Effekt nachgewiesen werden. Der Streit um die Nutzung von Titandioxid wird zudem nicht nur in Mainz ausgetragen, sondern auch auf höchster politischer Ebene. Die Europäische Union überlegt nämlich, die entsprechenden Produkte mit einem Warnhinweis zu versehen. Die Hersteller sind davon allerdings alles andere als begeistert und hoffen, dass die Bundesregierung einen entsprechenden Beschluss noch verhindern kann. Tatsächlich konnte der finale Beweis, dass Titandioxid krebserregend ist, bisher noch nicht erbracht werden.


Via: FAZ

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1 Kommentar

  1. Marcel

    12. September 2018 at 13:17

    Also auf der Kinderschminke für clownsgesichter wurde/wird? mit titandioxid geworben aufgrund seiner extrem weisen Farbe. Auch z. B. in weißem Beton zu finden

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