Baltimore liegt im Bundesstaat Maryland und hat rund 615.000 Einwohner. Überregional bekannt ist die Stadt vor allem für die Football-Mannschaft der Baltimore Ravens in der NFL. Doch nun sorgte die dortige Polizei mit einer ungewöhnlichen Maßnahme für Schlagzeilen: Um die Zahl der Waffen in der Stadt zu reduzieren, kaufte sie diese den Einwohnern einfach ab. So gab es für eine Pistole 100 Dollar, für halbautomatische Gewehre 200 Dollar und für vollautomatische Gewehre sogar 500 Dollar. Insgesamt standen für die Aktion 250.000 Dollar bereit. Letztlich wurden auf diese Weise immerhin 1.860 Schusswaffen eingesammelt. Viele andere Möglichkeiten gegen den Privatbesitz von Waffen vorzugehen, hat die Polizei nicht. Denn das Recht darauf ist im zweiten Verfassungszusatz festgeschrieben.


Baltimore wird pro Jahr von mehr als 300 Morden erschüttert

Die von den Behörden aufgekauften Waffen sollen nun vernichtet werden. Die Logik dahinter ist klar: Waffen, die nicht mehr existieren, können auch nicht mehr gestohlen oder benutzt werden. Es bliebt allerdings noch abzuwarten, ob die Aktion letztlich tatsächlich zu einer Verbesserung der Sicherheitslage führen wird. In den vergangenen vier Jahren hatte die Stadt jeweils die traurige Marke von mehr als 300 ermordeten Menschen zu beklagen. Auch deshalb wollte die Polizei etwas gegen die Verbreitung von privaten Schusswaffen unternehmen. Kritiker verweisen allerdings darauf, dass echte Verbrecher bei solchen Aktionen eher selten ihre Waffen abgeben – auch wenn der Verkauf anonym möglich war. So gesehen wurden hier nicht unerhebliche Ressourcen verbraucht, ohne dass ein entscheidender Effekt erreicht wurde.


Barack Obama konnte das Waffenrecht nicht verschärfen

Andere Städte dürften das Experiment in Baltimore dennoch mit Interesse verfolgen. Denn die Waffenproblematik existiert in den gesamten Vereinigten Staaten. Alleine im Jahr 2017 starben landesweit 40.000 Menschen durch den Gebrauch von Schusswaffen. Eine entscheidende Änderung der Rechtslage ist trotzdem nicht in Sicht. Ex-Präsident Barack Obama hatte zwar immer wieder darauf gedrungen, war aber am Widerstand des Senats gescheitert. Donald Trump wiederum gilt sogar als Anhänger der Waffen-Lobby. Ob der Ansatz in Baltimore tatsächlich erfolgreich sein wird, darf aber bezweifelt werden. In den Wirtschaftswissenschaften gibt es dafür ein interessantes Gleichnis: Der Aufkauf von Rattenschwänzen führt demnach langfristig nicht dazu, dass mehr Ratten gejagt werden – sondern zur Errichtung von Farmen zur Rattenzucht.

Via: Deutsche Welle

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