Es ist ein erschreckender Befund: Seit dem Jahr 1999 hat sich die Zahl der Orang-Utans weltweit um rund 100.000 Exemplare verringert. Am mangelnden rhetorischen Eifer in Sachen Artenschutz liegt dies nicht. Sowohl Malaysia als auch Indonesien – auf deren Staatsgebiet die meisten Tiere leben – haben sich grundsätzlich zum Schutz der Menschenaffen bekannt. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Tierschützer haben daher nun eine kritische Bilanz gezogen und 5 Punkte identifiziert, die viele Schutzbemühungen konterkarieren:


1. Es gibt immer weniger Regenwald

Das Phänomen ist auch aus anderen Ländern bekannt – etwa aus Brasilien: Um landwirtschaftliche Nutzfläche zu gewinnen, wird der jahrhundertelang fast unberührte Regenwald abgeholzt oder sogar niedergebrannt. Seit einiger Zeit wird deswegen die Produktion von Palmöl extrem kritisch gesehen. Allerdings wird Regenwald unter auch für die Nahrungsmittelproduktion, die Gummigewinnung, die Papierherstellung sowie den Bergbau gerodet. Hinzu kommt ein weitere Problem: Aufgrund des Klimawandels fällt deutlich weniger Regen als in der Vergangenheit, wodurch es vermehrt zu Waldbränden kommt.

Bild: J. Patrick Fischer [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], from Wikimedia Commons

2. Die Jagd

Die positive Nachricht zuerst: Der Affe gilt keineswegs als Delikatesse und wird daher auch nicht gezielt gejagt. Wenn sich allerdings keine anderen Tiere erwischen lassen, kann auch der Menschenaffe ins Visier der Jäger geraten. Außerdem gibt es einen Rückkoppelungseffekt zum ersten Punkt: Weil es immer mehr Plantagen in der Nähe der Regenwälder gibt, kommt es öfter zu Konflikten zwischen Menschen und Affen – etwa weil die Tiere, die angebauten Früchte klauen. Auch in solchen Fällen kann es zu gezielten Tötungen kommen. Tierschützer gehen davon aus, dass jährlich rund 2.000 Orang-Utans bewusst erschossen werden.


3. Zu wenig Geld

Artenschutz ist teuer. Es reicht nicht, einfach nur bestimmte Schutzgebiete auszuweisen und dann die Hände in den Schoss zu legen. Vielmehr muss Aufklärungsarbeit geleistet, in Konfliktfällen vermittelt und im Zweifelsfall auch entschädigt werden. Doch auf Borneo, der Insel mit den meisten Orang-Utans weltweit fehlt dafür oft das Geld. Dies liegt zum einen daran, dass die staatliche Finanzierung zu niedrig ausfällt. Zum anderen werden aber auch die vorhandenen Mittel oft nicht effizient eingesetzt. So sind Auswilderungsprogramme sehr beliebt. Diese sind aber sehr teuer und können den Rückgang der Population nicht aufhalten.

4. Die mangelnde Durchsetzung der Gesetze

Die Strafen für Verstöße gegen den Artenschutz sind teilweise sehr hoch. So drohen Wilderern theoretisch bis zu fünf Jahre Haft. Lange Zeit spielte diese Gesetzgebung in der Praxis aber keine Rolle, weil die staatlichen Behörden diese Verbrechen gar nicht erst verfolgten. Dies änderte sich erst in den letzten Jahren. Noch immer gilt aber: Sowohl bei illegalen Rodungen als auch bei Wilderei ist die Gefahr erwischt und bestraft zu werden für die Täter zu gering. Dies liegt nicht alleine am Unwillen der Beamten vor Ort, sondern hat teilweise natürlich auch mit der bereits angesprochenen mangelnden Finanzierung zu tun.

5. Die niedrige Geburtenrate

Es gibt aber auch viele positive Anzeichen, die für ein Überleben der Orang-Utans sprechen. So haben diese sich deutlich besser als erwartet an neue Lebensräume angepasst. Außerdem werden sie inzwischen teilweise als Tourismus-Faktor erkannt und daher auch von den Einheimischen bewusst geschützt. Eine grundsätzliche Problematik bleibt aber bestehen: Die Fortpflanzung der Menschenaffen ist langwierig. Weibchen bekommen nur alle sechs bis acht Jahre Nachwuchs. Eine Erholung der Population wird daher auch im besten Fall einiges an Zeit in Anspruch nehmen.

Via: FAZ

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