Bakterien, die eine Resistenz gegen die zur Verfügung stehenden Antibiotika entwickelt haben, könnten einer Schätzung der Vereinten Nationen zufolge bis zum Jahr 2050 rund zehn Millionen Menschen töten. Bekämpft werden kann die Problematik von zwei Seiten. Zum einen ist die Entwicklung von neuen Antibiotika möglich – und wird inzwischen auch intensiv betrieben. Zum anderen ist es aber auch von entscheidender Bedeutung, dafür zu sorgen, dass deutlich weniger Resistenzen entstehen. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielen Antibiotika, die in die Umwelt gelangt sind. Ein internationales Forschungsteam hat daher nun 711 Gewässer in 72 Ländern untersucht. Das schockierende Ergebnis: In 65 Prozent der Proben ließen sich Antibiotika nachweisen. In 111 Fällen lag die Konzentration zudem über dem als sicher eingestuften Grenzwert.


Bild: Juan Ramon Rodriguez Sosa [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)]

In Afrika und Asien sind die Belastungen am höchsten

In die Umwelt gelangen die Antibiotika vor allem auf zwei Wegen. Zum einen wenn entsprechende Abfälle nicht richtig entsorgt werden. Und zum anderen über die Ausscheidungen von Menschen und Tieren. Im Falle der Flüsse ist es daher besonders problematisch, wenn das Abwasser nicht wieder aufbereitet wird, sondern direkt in öffentliche Gewässer geleitet wird. Es verwundert daher nicht, dass die Belastung regional recht verschieden ist. So wurden die höchsten Werte in Bangladesch gemessen. Dort lag die Konzentration teilweise um das 300-fache über dem Grenzwert. Die meisten belasteten Flüsse wiederum befanden sich in Afrika. Für Deutschland und Europa ist dies aber kein Grund zur Entspannung. Denn auch die Flüsse auf unserem Kontinent sind keineswegs frei von Antibiotika.

Die Donau ist Europas größter Problemfluss

So fanden sich in der Donau in Österreich gleich sieben unterschiedliche Antibiotika. Besonders stark vertreten: Clarithromycin, das zur Behandlung von Infektionen im Hals- und Mundbereich eingesetzt wird. Hier lag der gemessene Wert vier Mal höher als die eigentliche Obergrenze. Insgesamt war die Donau der am meisten belastete Fluss in Europa. Aber auch in der grundsätzlich als besonders sauber geltenden Themse wurden immerhin fünf verschiedene Antibiotika gefunden. In einem nächsten Schritt wollen die Forscher nun herausfinden, wie sich die starke Antibiotika-Belastung auf das Ökosystem und die dort lebenden Tiere auswirkt. In einigen Fällen sind die negativen Auswirkungen aber bereits sichtbar: So gab es Flüsse in Kenia, die mit so vielen Medikamenten versetzt waren, dass dort gar keine Fische mehr leben können.


Via: The Guardian

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