Der spanischen Regierung ist ein Durchbruch gelungen, der auch für Deutschland zum Vorbild werden könnte: Die Schließung der letzten großen privaten Kohleminen. Die Besonderheit: Sowohl die Vertreter der Unternehmen als auch die zuständigen Gewerkschaften zeigten sich über den gefundenen Kompromiss erfreut. Dies ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Immerhin werden mehr als eintausend Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Begleitet werden soll die Schließung daher von einem massiven Hilfsprogramm. So können Mitarbeiter, die älter als 48 Jahre sind, Frührente beantragen, ohne dass ihnen massive Abschläge drohen. Wer diese Altersgrenze noch nicht erreicht hat, soll zudem kostenfrei weitergebildet werden, um beispielsweise für einen Job im Bereich der Erneuerbaren Energien gerüstet zu sein. Insgesamt werden in den nächsten zehn Jahren auf diese Weise 250 Millionen Euro in die, von den Schließungen betroffenen, Regionen fließen.


Die meisten der einst 100.000 Arbeitsplätze sind längst verschwunden

Für Spanien könnte dies gut angelegtes Geld sein. Denn zum einen hilft die Schließung der Kohleminen, den CO2-Ausstoß des Landes auf vergleichsweise preiswerte Art und Weise zu verringern. Die im Rahmen des Klimaabkommens von Paris gemachten Zusagen können so ein wenig leichter eingehalten werden. Zum anderen waren die Kohleminen aber auch schon länger nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Faktisch wurden sie nur noch durch ein staatliches Hilfsprogramm am Leben gehalten, das ausdrücklich von der Europäischen Union genehmigt wurde. Das war einmal anders: Noch in den 1960er Jahren arbeiteten mehr als 100.000 Menschen in den Kohlebergwerken des Landes. Dann verlief die Entwicklung ähnlich wie in Deutschland: Kohleimporte und andere Energieformen wurden so günstig, dass der heimische Abbau irgendwann nicht mehr rentabel war.


Die deutsche Kohlekommission hat eine ähnliche Aufgabe

Heute ist die einheimische Kohle nur noch für 2,3 Prozent der in Spanien produzierten Elektrizität verantwortlich. Dieser Wert dürfte auch nach der nun verkündeten Einigung noch nicht ganz auf null sinken. Denn für einige staatliche Kohleminen gibt es offiziell noch kein Enddatum. Die Regierung hat aber bereits angekündigt, auch hier eine ähnliche Lösung wie bei den privaten Minen anzustreben. In Deutschland wiederum tagt aktuell die sogenannte Kohlekommission. Sie soll ein konkretes Datum für das Ende des deutschen Braunkohle-Tagebaus beschließen. Bisher stemmen sich die Gewerkschaften hierzulande noch gegen einen zu raschen Ausstieg und mobilisierten vor kurzem immerhin rund 30.000 Demonstranten. Vielleicht kann ein Blick nach Spanien helfen, gemeinsam eine von allen akzeptierte Lösung zu finden.

Via: The Guardian

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