Der „Tante Emma Laden“ gehörte noch bis vor wenigen Jahrzehnten zu jedem Dorf dazu, doch inzwischen sind die freundlichen Mini-Geschäfte so gut wie ausgestorben. Mit ihnen ging sehr viel mehr als nur die bequeme Einkaufsmöglichkeiten, auch ein Stück dörfliche Kommunikation und Identität schlich sich davon. In Jagsthausen setzt der Gegentrend ein, ins Leben gerufen von den Dorfbewohnern selbst.


Quelle: Reinhard Kirchner auf Wikipedia.de / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Mini-Läden sind soziale Treffpunkte für Dorfbewohner

In der etwa 1800 Einwohner starken süddeutschen Gemeinde Jagsthausen haben sich ganz normale Bürger zusammengeschlossen, um sich ihren eigenen Dorfladen zurückzuholen. Viel zu lang gab es vor Ort kein Geschäft mehr, wo alte Leute mal eben zu Fuß hingehen konnten – und sich die Nachbarn zum gepflegten Schwätzchen trafen. Denn, wollen wir doch mal ehrlich sein, Die „Tante Emma Läden“ waren in früheren Zeiten echte soziale Treffpunkte, während heute die Menschen nur eilig durch den städtischen Supermarkt rennen, um ihre Einkäufe danach zügig nach Hause zu befördern. Zusammenhalt – und Zusammenleben – setzt aber ganz viel Kommunikation voraus, und so entfernen sich die Menschen sogar in den kleinen Dörfern immer weiter voneinander.

Die Jagsthausener eröffneten ihren eigenen Dorfladen

Die Jagsthausener wollten das nicht länger hinnehmen, sie gründeten eine Genossenschaft, sammelten 170.000 Euro Spenden ein und eröffneten im Sommer 2012 ihren neuen Dorfladen. Die Discounter überlegen sich erst ab etwa 4.000 Einwohner, ob sie eine Filiale eröffnen möchten, der Ort hatte also diesbezüglich keine Chance. Doch wer braucht schon Aldi und Co., wenn es möglich ist, einen charmanten Tante-Emma-Laden zu haben, mit einladend gestalteten 240 qm Fläche, einem integrierten Café, einer Bäckerei und einer Fleischtheke? Das Sortiment umfasst mittlerweile 2.500 Produkte, jeden Tag kommen bis zu 600 Kunden zum Einkaufen und gemütlichen Schwätzen hierher. 15 Mitarbeiter kann sich das Geschäft inzwischen leisten, und wenn ein bestimmtes Produkt mal nicht vorhanden ist, wird es durchaus auch mal speziell auf Kundenwunsch bestellt. Ehrenamtliche Helfer sind allerdings immer noch vonnöten, um in die schwarzen Zahlen zu rutschen: Die Dorfbewohner leihen gern eine hilfreiche Hand für „ihren Laden“.


Solche Mini-Geschäfte auf dem Land können nur dann überleben, wenn Dorfbewohner sie wirklich annehmen und sich dafür einsetzen. Dafür erhalten sie dann aber auch einen echten Anlaufpunkt, der das soziale Leben ein Stück weit anfeuert und den Menschen Zufriedenheit bringt.

Quelle: deutschlandfunk.de

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