Täglich eine Dose Limonade ist nicht schlimm, heißt es gerne mal, wenn es um Gesundheit und Ernährung geht. US-amerikanische Forscher fanden nun jedoch Hinweise, die darauf hindeuten, dass bereits der gemäßigte Konsum zuckerhaltiger Limonaden die Entstehung von Darmkrebs fördern könnte.


Experiment mit Mäusen

Fructose (Fruchtzucker) galt in der Ernährungsphysiologie lange als natürliche und gesunde Süße. Inzwischen gerät ihr guter Ruf aber immer mehr in Zweifel – insbesondere, wenn es um den in der Lebensmittelindustrie häufig verwendeten Maissirup geht. Fructose kann im Körper besonders leicht in Fett umgewandelt werden und fördert damit Übergewicht. Inzwischen gilt die Zuckerart gar als eine der Hauptursachen für Fettleibigkeit und diverse Stoffwechselerkrankungen.


Forscher rund um Marcus Goncalves von Weill Cornell Medicine haben nun herausgefunden, dass ein Hoher Konsum von Fructose-Glucose-Sirup Darmkrebs zu fördern scheint. Diese Vermutung existiert schon länger, doch das Team fand nun belastbare Hinweise darauf, dass die Vermutung wahr sein könnte. „ Man weiß, dass der Konsum von gesüßten Getränken Übergewicht fördert und dass das wiederum das Risiko für Darmkrebs erhöht„, so die Forscher. Die Existenz einer kausalen Verbindung zwischen Fructose und Darmkrebs war bisher aber noch nicht aufgezeigt worden.

Goncalves und sein Team führten ein Experiment mit Mäusen mit einer genetischen Prädisposition für Darmkrebs durch, denen einmal täglich eine Fructose-Glucose-Lösung im Verhältnis 55:45 verabreicht wurde. Derartige Sirups werden als Süßungsmittel für die meisten Limonaden verwendet. Auf Menschen übertragen entsprach die Menge, die die Mäuse erhielten, einer Dose Limonade am Tag. Dies führte nicht zu einer Gewichtszunahme der Tiere, weswegen die Forscher Übergewicht als Faktor ausschließen konnten. Nach dem Ablauf von zwei Monaten kontrollierte das Team den Dickdarm der Mäuse.

Limonaden fördern Darmkrebs

Bei den Mäusen, die die Zuckerlösung erhielten, fanden die Forscher zwar nicht mehr Darmtumoren als bei einer Kontrollgruppe, dafür waren die Tumoren bei den „Zuckermäusen“ aber wesentlich größer und aggressiver, was laut den Forschern für eine Verbindung zwischen mäßigem Konsum glucosehaltiger Getränke und Darmkrebs spricht. „Der chronische Konsum zuckerhaltiger Getränke verkürzt offenbar die Zeit, die der Krebs zum Wachsen braucht„, erklärt das Team.

Die Forscher vermuten, dass die entdeckte Verbindung ein Grund dafür ist, dass Darmkrebs in den USA in den letzten Jahren vermehrt auch bei jungen Menschen zwischen 25 und 30 auftritt. „ Darmkrebs braucht beim Menschen normalerweise 20 bis 30 Jahre, um aus Vorstufen zu aggressiven Tumoren heranzuwachsen„, so Lewis Cantley, der an der Studie beteiligt war.

Kausale Verbindung entdeckt

Die Forscher wollten dieser Verbindung auf den Grund gehen und führten Tests mit isotopenmarkierten Zuckermolekülen durch. Dabei stellte sich heraus, dass offenbar die für Maissirup typische Mischung aus Fructose und Glucose für den beobachteten Effekt verantwortlich sein könnte. Beide Zucker reichern sich im Dickdarm an, wo sie von den Tumoren aufgenommen und verstoffwechselt werden. Spezifisch wird die Glucose im Tumorgewebe von einem Enzym namens Ketohexokinase (KHK) in Fructose-1-Phosphat umgewandelt, ein Molekül, das das Tumorwachstum gleich doppelt fördert.

Zum einen macht es Fructose-1-Phosphat dem Tumor leichter, Glucose als Energieträger zu verwenden. Zum anderen fördert es zusätzlich noch die Synthese von Fettsäuren, die für die Krebszellen von entscheidender Bedeutung sind.

Damit enthüllt diese Studie einen direkten molekularen Mechanismus, der den Konsum von Zucker mit Darmkrebs verknüpft„, so Cantley. Eine Genstudie bestätigte schließlich, dass die Doppelwirkung der Fructose in Tumorzellen für das Wachstum verantwortlich ist. Denn als die Forscher die beiden Wirkungswege der Fructose durch Genblockaden unterbrachen, blieb das vermehrte Wacchstum aus.

Allerdings muss nun noch getestet werden, ob der Maissirup und damit auch entsprechend gesüßte Limonaden auch beim Menschen ein erhöhtes Tumorwachstum auslösen. Die Forscher jedoch halten dies bereits für wahrscheinlich, weshalb sie Menschen mit einer genetischen Prädisposition für Darmkrebs vom Genuss zuckerhaltiger Limonaden abraten.

via Weill Cornell Medicine

 

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