Lange Zeit zierten sich die deutschen Autohersteller und Zulieferer selbst in die Produktion von Batterien für Elektroautos einzusteigen. Zu hoch schienen die notwendigen Investitionen und zu gering die Margen. Beim Volkswagen-Konzern hat nun allerdings ein Sinneswandel eingesetzt. Das Unternehmen kündigte nicht nur an, bis zum Jahr 2025 eine erste eigene Fertigungsstätte errichten zu wollen, sondern investiert auch massiv in das entsprechende Know-How. So gab die Konzernführung bekannt, dass für 100 Millionen Dollar Anteile an dem US-Unternehmen Quantumscape gekauft wurden. Volkswagen ist damit der größte Anteilseigner aus dem Automobilbereich. Der Clou des Investments: Die Stanford-Ausgründung forscht und entwickelt im Bereich sogenannter Festkörperakkus. Diese könnten im Bereich der Elektromobilität für eine Revolution sorgen.


In einigen Jahren sollen die Autos des Konzerns mit Festkörperakkus produziert werden. Foto: Volkswagen

Festkörperakkus bringen drei große Vorteile mit sich

Rein technisch betrachtet liegt der Unterschied zu den bisher verwendeten Lithium-Ionen-Akkus darin, dass anstelle eines flüssigen, ein festes Elektrolyt genutzt wird – etwa Keramik. Noch steckt die Technologie zwar in den Kinderschuhen, doch in der Theorie bringt sie drei große Vorteile mit sich:

1. Mehr Energiedichte: Bei gleichem Gewicht verdoppelt sich in etwa die Reichweite. Die Fahrer von Elektroautos müssten also deutlich seltener eine Ladestation ansteuern.


2. Schnellere Ladezeiten: Außerdem lassen sich Festkörperakkus schneller aufladen. Die Akkuladung würde dadurch zeitlich näher an einen Tankstopp heranrücken.

3. Nicht entflammbar: Anders als bei Lithium-Ionen-Akkus kann kein sich extrem schnell ausbreitendes Feuer entstehen. Es müssen also deutlich weniger Sicherheitsvorkehrungen in diesem Punkt getroffen werden.

Die neue Technologie könnte den Markt neu sortieren

Quantumscape hält mehr als 200 Patente und Patentanträge im Bereich der Festkörperakkus und arbeitet bereits seit 2012 mit dem Volkswagen-Konzern zusammen. Der vorherige VW-Chef Matthias Müller hatte sich aber immer explizit gegen eine eigene Batterie-Produktion ausgesprochen – obwohl entsprechende Pläne für ein Werk in Salzgitter bereits existierten. Sein Nachfolger Herbert Diess hingegen sorgte für einen Kurswechsel und entschied sich für eine eigene Produktionsstätte. Die Umstellung auf Festkörperakkus könnte für den Konzern tatsächlich eine günstige Gelegenheit darstellen. Denn in diesem Bereich besitzen die zumeist asiatischen Hersteller von Lithium-Ionen-Akkus noch keinen entscheidenden Erfahrungsvorsprung. Ob auch andere deutsche Automobilhersteller den Schritt zu einer eigenen Akkuproduktion wagen werden, bleibt noch abzuwarten.

Via: Electrive

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.