Sie kamen in ihrer traditionellen Kleidung mit bemalten Gesichtern zum entscheidenden Prozess nach Puyo, Ecuador. Die Anreise erfolgt teilweise mit Booten, zum Teil aber auch mit Kleinflugzeugen, weil es dort, wo sie leben, keine Straßen gibt, nur dichten Regenwald. Nach dem Richterspruch hatten die Waorani allen Grund zum Jubeln, denn ihrer Klage wurde stattgegeben und damit waren 202 Quadratkilometer urtümliche Natur vor der Ölindustrie gerettet.


Von ApertureEigenes Werk, CC BY 3.0, Link

Die Waorani demonstrierten dafür, endlich ernstgenommen zu werden

Noch im März gab es einen echten Eklat in einer Vorverhandlung: Waorani-Frauen stimmten während der Verhandlung lautstark traditionelle Lieder an, um gegen die Umstände des Prozesses zu demonstrieren. Man hatte ihnen keinen Dolmetscher bereitgestellt und sie an einen weit von ihrer Wohnstätte entfernten Ort geladen. Ihre Lieder handelten von der Funktion ihres Stammes als Wächter des Regenwaldes, kurz und gut: Sie wollten endlich ernstgenommen werden. Der Richter brach die Verhandlung ab und setzte einen neuen Termin im April an. Doch worum ging es überhaupt genau?

Das historische Urteil: Die Waorani erhielten Recht!

Die ecuadorianische Regierung wollte im Gebiet der Waorani nach Öl bohren lassen und damit schon wieder ein gutes Stück des wertvollen Amazonasgebiets zerstören: Ausgerechnet die Heimat der Waorani. Der Stamm legte dagegen Widerspruch ein, aber die Gerichtsverhandlung gestaltete sich, wie beschrieben, zuerst ziemlich holprig. Nun fiel das historische Urteil: Das indigene Volk erhielt Recht. Sie gelten nun endlich offiziell als wahre Eigentümer ihres Stammesgebietes und dürfen allein und frei entscheiden, was damit geschieht. Längst haben sie einen festen Plan gefasst: »Wir werden nicht zulassen, dass Öl in unser natürliches Territorium eindringt und diese und unsere Kultur vernichtet.«


Ein Präzedenzfall für andere indigene Amazonas-Stämme

Aber damit nicht genug: Es gibt nun einen rechtlichen Präzedenzfall für alle ecuadorianischen Ureinwohner, deren Heimat bedroht ist. Das heißt also, dass sich mit diesem einen Richterspruch noch mehr Natur retten lässt. Doch gerade jetzt steht, wie wir alle wissen, das Amazonas-Gebiet in Brasilien in hellen Flammen. Hoffen wir, dass es bald Regen gibt und eine weitere glückliche Rettung erfolgt.

Quelle: newyorker.com

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