Vor einigen Wochen sind tausende im Ausland lebende Iren in ihre Heimat geflogen. Nur so konnten sie an der Volksabstimmung über die Liberalisierung des Abstimmungsrechts teilnehmen. Letztlich zahlte sich der Aufwand aus: Die Befürworter der Änderung setzten sich klar durch. Bei den Präsidentschaftswahlen in Island 2016 gab es wiederum ein ganz anderes Problem: Mehr als jeder zehnte Einwohner des Landes befand sich in Frankreich, um die eigene Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft zu unterstützen. Der US-Bundesstaat West Virginia hat nun ein Verfahren präsentiert, bei dem Wähler im Ausland keine weiten Reisen auf sich nehmen müssen. Stattdessen erfolgt die Stimmabgabe mithilfe einer von der Firma Voatz entwickelten App. Erstmals zum Einsatz kommen wird die Technik bei den Zwischenwahlen im November.


Eine Software zur Gesichtserkennung identifiziert die Wähler

Allerdings kann nicht jeder Urlauber am Strand einfach das Smartphone zücken und digital wählen gehen. Vielmehr ist das System zunächst nur für Soldaten im Auslandseinsatz gedacht. Diese müssen sich zudem im Vorfeld registrieren. Dazu muss zum einen ein Bild eines offiziellen Dokuments und zum anderen ein selbst gedrehtes Video hochgeladen werden. Software zur automatisierten Gesichtserkennung überprüft dann, ob es sich tatsächlich um die selbe Person handelt. Zudem werden die Angaben aus dem Dokument mit den offiziellen Daten aus den Wählerregistern abgeglichen. Die eigentliche Abgabe der Wahlstimme erfolgt schließlich anonym und wird auf einer öffentlichen Blockchain gespeichert. Getestet wurde das Verfahren bereits bei zwei Vorwahlen in diesem Jahr – nun soll es erstmals bei einer offiziellen Wahl zum Einsatz kommen.


Ein physischer Stimmzettel wird nicht erstellt

Ganz unproblematisch ist die Stimmabgabe per App allerdings nicht. Denn sie bietet natürlich auch Hackern eine Angriffsfläche. Mehrere Sicherheitsaudits verliefen zwar positiv, doch eine Garantie für die Zukunft ist das natürlich nicht. Gefährlich in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass bei der elektronischen Wahl kein physischer Stimmzettel gedruckt wird. Sollte es also tatsächlich zu Manipulationen kommen, könnte das Ergebnis nicht einfach neu ausgezählt werden. Allerdings existiert diese Problematik nicht nur bei der Wahl per App, sondern auch bei den Wahlcomputern in 15 Bundesstaaten. Der Bundesstaat West Virginia will es trotzdem den zuständigen Personen in den einzelnen Wahlkreisen überlassen, ob sie die Stimmabgabe per App ermöglichen.

Via: CNN

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