Wer in Bitcoin investiert hatte, der hatte 2017 allen Grund zum Jubeln. Die digitale Währung startete das Jahr mit einem Kurs von etwa 900 US-Dollar. Im Dezember hatte der Kurs dann fast 20.000 US-Dollar erreicht. Der objektive Beobachter konnte nun vermuten, dass die Anleger sich endlich richtig auf die vielversprechenden Möglichkeiten von Kryptowährungen einließen. Der Finanzexperte Professor John Griffin von der University of Texas allerdings vermutet, dass der explosive Kursanstieg durch geschickte Manipulationen verursacht wurde.


Bild: Bitcoin, Zach Copley, Flickr, CC BY-SA 2.0

Tether: Kryptowährung manipuliert Bitcoin-Kurs?

Am Mittwoch veröffentlichte Griffin zusammen mit dem Studenten Amin Shams ein Paper, indem das Duo die Verantwortung für den Kursanstieg bei einer einzelnen Person oder einer kleinen Gruppe suchte. Durch geschickten Einsatz einer anderen Kryptowährung namens Tether soll der Kurs von Bitcoin manipuliert worden sein.

Der Wert von Tether fluktuiert im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen nicht – ein Tether-Token hat einen festen Wert von einem US-Dollar. Die Idee dahinter ist, dass Tether aller Vorteile einer Kryptowährung ohne die für die digitalen Währungen typische Instabilität bietet. Das Team hinter Tether behauptet, genug Barreserven zu haben, um bei Bedarf sogar alle bisher ausgegebenen Token zurückkaufen zu können.


Neue Tether-Token kommen über Bitfinex auf den Markt, also einem nicht regulierten Krypto-Exchange. Diese Tatsache ist der Kern von Griffins Anschuldigungen.

Verantwortlicher streitet die Vorwürfe ab

Griffin und Shams nutzten Algorithmen, um mehrere Millionen Transaktionen seit März 2017 zu analysieren. Dabei fiel ihnen ein Muster auf. Wenn Bitcoins Wert sank, kamen neue Tether-Token auf den Markt, mit denen dann Bitcoin gekauft wurden. Die Folge: Der Bitcoin-Kurs stieg wieder. Die meisten dieser Tether-Transaktionen geschahen in sehr kurzen Zeiträumen, was die Forscher für verdächtig hielten. „These patterns cannot be explained by investor demand proxies but are most consistent with the supply-based hypothesis where Tether is used to provide price support and manipulate cryptocurrency prices„, schrieben die Autoren in ihrem Paper.

DEr CEO von Bitfinex, Jan Ludovicus van der Velde, reagierte auf die Anschuldigungen mit einer Mail an die New York Times: „Bitfinex nor Tether is, or has ever, engaged in any sort of market or price manipulation. Tether issuances cannot be used to prop up the price of bitcoin or any other coin/token on Bitfinex„, so van der Velde.

Muss der Krypto-Markt reguliert werden?

Griffin und Shams sind nicht die ersten, die die Verbindung zwischen Tether/Bitfinex und dem Bitcoin-Wert verdächtig fanden. Allerdings sind sie die ersten, die ihren Verdacht akademisch untermauerten. Unabhängige Experten haben der New York Times bestätigt, dass die Arbeit der beiden Hand und Fuß hat.

Derartige künstliche Kursmanipulationen sind nicht neu. Griffin und Shams mahnen daher in ihrem Paper, dass auch der Krypto-Markt von einer Regulation profitieren würde. Allerdings sind sowohl Bitfinex als auch Tether in Hong Kong ansässig, was den rechtlichen Zugriff erschwert.

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