Die Avocado galt lange Zeit als eher ungesunde Frucht, hat sich inzwischen aber den Status eines Superfoods erarbeitet. Dies liegt an den vielen Vitaminen und Aminosäuren, die enthalten sind. Der Konsum in Europa nimmt daher beständig zu. Für die Menschen in den Anbaugebieten in Chile ist dies allerdings keine gute Nachricht. Denn die Avocado-Frucht benötigt für ihr Wachstum enorm viel Wasser. So werden für ein Kilogramm Avocados rund 2.000 Liter Wasser benötigt – rund viermal so viel wie für die selbe Menge an Orangen und zehnmal so viel wie bei der Aufzucht von Tomaten. Verschlimmert wird diese Problematik, weil sich die Anbaugebiete zumeist in grundsätzlich eher trockenen Regionen befinden. Die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtet nun von besonders schweren Auswirkungen in Chile.


Bild: By Fir0002 [GFDL 1.2 (http://www.gnu.org/licenses/old-licenses/fdl-1.2.html)], from Wikimedia Commons

Das angelieferte Wasser erwies sich als stark belastet

Demnach wird in der Region Petorca so viel Wasser für die Avocado-Farmen verbraucht, dass die Einwohner stattdessen auf Trinkwasser aus Lastwagen zurückgreifen müssen. Die Qualität des herbeigeschafften Wassers soll zudem extrem schlecht sein – was immer wieder zu wütenden Protesten der Bewohner führt. So kam eine Studie bereits im Jahr 2014 zu dem Ergebnis, dass das Wasser aus den Lastwagen einen überhöhten Wert an Fäkalbakterien aufwies. Hinzu kommt, dass die Avocado-Farmen das Wasser keineswegs nur legal einkaufen. Vielmehr wurde schon im Jahr 2011 mithilfe von Satellitenfotos nachgewiesen, dass mindestens 65 illegale unterirdische Wassertunnel gegraben wurden. Diese leiteten das Wasser aus den Flüssen der Region auf die Farmen – ohne dass dafür eine Genehmigung der Behörden vorlag. Auf Dauer kann dies in einer eher trockenen Region aber natürlich nicht gut gehen.

In vielen Anbaugebieten ist Wasser ein knappes Gut

Rund sechzig Prozent der in Chile angebauten Avocados werden nach Europa exportiert. Die Tendenz ist zudem stark steigend: Alleine in Großbritannien stieg der Import um mehr als ein Viertel. Aufgrund der dabei erzielten Einnahmen werden die Früchte auch als „grünes Gold“ bezeichnet. In Petorca ist die Situation zudem aktuell besonders dramatisch, weil auch noch eine länger anhaltende Dürre herrscht – und der Kampf um die noch vorhandenen Wasserressourcen so noch einmal verschlimmert wird. Aber auch in anderen Anbaugebieten – etwa in Kalifornien – herrscht kein Überfluss an Wasser. Dies alles ändert natürlich nichts daran, dass Avocados sehr gesund ist. Dennoch könnte es sinnvoll sein, darüber nachzudenken, ob es nicht Alternativen gibt, die weniger stark in die Umwelt ihrer Herkunftsgebiete eingreifen.


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