Die Hacker-Vereinigung Anonymous hat nach den Anschlägen in Paris eine “nie dagewesene” Welle von Cyber-Angriffen auf den Islamischen Staat (IS) angekündigt. Es wäre ein leichtes, dies als leere Drohung abzutun. Dies wäre jedoch verfehlt. Die Drohungen der Gruppe dürfen durchaus ernst genommen werden.


Gegen den IS im Netz

Anonymous spricht aktuell französisch. In einem Video mit computeranimierter Stimme droht das Kollektiv dem IS mit Vergeltungsaktionen. “Anonymous auf der ganzen Welt wird euch jagen. Wir bereiten die größte Operation gegen euch vor, die es je gab. Erwartet massive Cyber-Attacken”, so die Stimme in dem Video.


Die Gruppe tritt nicht das erste Mal gegen den IS in Erscheinung. Bereits nach dem grausamen Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” im Frühjahr dieses Jahres drohte Anonymous einen Kleinkrieg gegen IS-Unterstützer im Netz an und verwirklichte diese Drohung dann auch.

Und nun ist es wieder so weit. Unter dem Hashtag #opFrance bzw. #opISIS geht es bisher vor allem um sogenannte Defacing-Angriffe auf Seiten, die mit dem Islamischen Staat in Verbindung stehen. Das Prinzip ist recht einfach: Durch Überlastung werden Webseiten vom Netz genommen und anschließend mit neuen Inhalten bestückt wieder online gebracht. Außerdem sammeln die Anonymous-Hacker Tausende Profile von IS-Unterstützern, die dann in Listen veröffentlicht werden.

Die Zahlen, die das Kollektiv nennt, können sich durchaus sehen lassen. Nach eigenen Angaben wurden 149 Webseiten vom Netz genommen, mehr als 100.000 Twitter-Accounts gemeldet und 6000 Videos geflaggt.

Skript-Kiddies oder ernstzunehmende Bewegung?

Wie ernst darf man Anonymous mit diesen Aktionen nehmen? Nun, im Endeffekt zeigen sich zwei Ebenen: Zum einen sind da die Skript-Kiddies. Sie gehen mit Hilfe fremder Programme vor und wollen so eine Öffentlichkeit gegen den Terror des IS herstellen.

Aber in den Reihen von Anonymous finden sich auch echte Hacker-Profis aus der IT-Wirtschaft oder mit militärischem Hintergrund. Es wird davon ausgegangen, dass diese Gruppe unter den Anonymous-Hackern etwa fünf Prozent ausmacht. Aber diese Gruppe ist umso schlagkräftiger. Sie versuchen bereits seit längerem, in die verschlüsselten und verborgenen Kommunikationskanäle des IS einzudringen.

Beide Gruppierungen innerhalb von Anonymous leisten einen durchaus ernstzunehmenden Beitrag im Kampf gegen den Terror des IS. Die öffentliche Wahrnehmung ist einer der wichtigsten Stützpfeiler des IS, und wie jede terroristische Vereinigung ist auch der Islamische Staat auf sichere Kommunikationswege angewiesen.

Stellt Anonymous ein Sicherheitsrisiko dar?

Aber der Kampf von Anonymous gegen den IS – mag er auch aus noblen Beweggründen geführt werden – kommt auch mit Problemen einher. Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass die Geheimdienste weltweit auf Informationen angewiesen sind, die sie aus dem Netz sammeln. Sollten Kommunikationskanäle und Webseiten von Anonymous aus dem Netz getilgt werden, sei nicht voraussehbar, wie sich die radikal islamistische Szene weiter entwickelt.

Vor dem gleichen Hintergrund dürfte allerdings auch die Frage gestattet sein, ob die Luftangriffe der Franzosen gegen den IS aktuell nicht auch eher den Terroristen in die Hände spielen. “Ich kenne sie. Was sie erwarten, sind Bomben, was sie fürchten, ist Einheit. Die Bilder aus Deutschland, wo die Menschen Migranten willkommen geheißen haben, werden sie gequält haben. Toleranz und Zusammenhalt, das wollen sie nicht sehen”, zitiert die Zeit den Franzosen Nicolas Hénin, der über 10 Monate lang von Terroristen des IS gefangen gehalten wurde.

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