Über die Idee eines kostenlosen Nahverkehrs wird in Deutschland immer wieder diskutiert. Einige Städte haben auch bereits entsprechende Experimente gestartet und verzichten beispielsweise Samstags auf die Pflicht zum Fahrkartenkauf. Die Regierung in der indischen Hauptstadt Neu Delhi will die Fahrten mit den öffentlichen Bussen und Bahnen nun rund um die Uhr kostenlos anbieten – allerdings nur für Frauen. Was zunächst einmal etwas merkwürdig klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Die weiblichen Einwohner sollen so vor sexuellen Übergriffen geschützt werden. Denn Indien hat in den letzten Jahren die Strafen für Sexualverbrechen zwar massiv erhöht – genutzt hat das allerdings wenig. Die Zahl der entsprechenden Straftaten stagniert auf konstant hohem Niveau.


Die Kosten liegen im dreistelligen Millionenbereich

In Delhi kam in den letzten Monaten zudem ein besonderes Problem hinzu: Weil die Regierung die Löhne der Angestellten im öffentlichen Personennahverkehr stark angehoben hatte, mussten auch die Fahrpreise erhöht werden. Dies allerdings hatte einen unerwünschten Nebeneffekt. Denn immer mehr Menschen verzichten nun aus Kostengründen auf die öffentlichen Busse und Bahnen. Stattdessen machen sie sich vermehrt wieder zu Fuß auf den Weg. Aus den oben erwähnten Gründen kann dies für Frauen durchaus problematisch sein. Die lokale Regierung rechnet damit, dass rund 850.000 Frauen von der Initiative profitieren könnten. Die Kosten werden auf umgerechnet jährlich 103 Millionen Euro beziffert. Dieses Geld soll aus Steuermitteln stammen und direkt an die Verkehrsbetriebe fließen.


Die Opposition spricht von einem Wahlkampfmanöver

Es steht also nicht zu befürchten, dass männliche Fahrgäste zukünftig noch mehr zahlen müssen, damit die Frauen kostenlos mitgenommen werden können. Parallel zu der Reform im öffentlichen Nahverkehr – die in zwei bis drei Monaten inkraft tritt – soll zudem eine zweite Initiative für mehr Sicherheit sorgen: Die lokale Regierung will im Stadtgebiet stolze 150.000 Überwachungskameras installieren. Dieser Aktionismus kommt allerdings nicht überall an. Kritiker werfen dem Regierungschef Arvind Kejriwal vor, er befinde sich bereits im Wahlkmapfmodus. Tatsächlich wird in der indischen Hauptstadt im Januar nächsten Jahres gewählt. Es ist daher gut möglich, dass der Druck der anstehenden Wahl für die zwei ambitionierten Maßnahmen gesorgt hat. Dies ändert aber nichts daran, dass auch andere Städte die Ergebnisse des Experiments mit Interesse verfolgen werden.

Via: Reuters

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