In Supermärkten werden jeden Tag erhebliche Mengen an eigentlich noch verzehrbaren Lebensmitteln entsorgt. Teilweise geschieht dies, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Teilweise aber auch schlicht, weil die Produkte nicht mehr präsentabel aussehen. In den letzten Jahren haben sich daher in vielen Städten Szenen etabliert, die die Mülltonnen der Supermärkte nach noch guten Lebensmitteln durchsuchen – das so genannte containern. Bisher ist die Rechtslage in diesen Fällen allerdings eindeutig: Es handelt sich um Diebstahl. Der Hamburger Justizsenator Till Steffen von den Grünen möchte dies aber nun ändern. Er wird daher auf der Konferenz der Justizminister der Bundesländer einen entsprechenden Antrag einreichen. Das Wegwerfen von Lebensmitteln soll dann als Eigentumsaufgabe definiert werden.


Update 06.06. 18:20 Uhr: Per Abstimmung am heutigen Donnerstag haben die Justizminister der Bundesländer auf der Landesjustizkonferenz den Antrag des Hamburger Justizsenators abgelehnt. Containern bleibt somit strafbar.

Lebensmittelverschwendung
Foto:Weggeworfene Lebensmittel; Urheber Foerster CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Die Menge an verschwendeten Lebensmitteln muss geschätzt werden

Begründet wird dieser Schritt mit der immensen Lebensmittelverschwendung in Deutschland. Steffen hält es für problematisch, auf der einen Seite die Zahl an Nahrungsmitteln im Müll verringern zu wollen, auf der anderen Seite aber entsprechende Aktivisten zu bestrafen. Wie groß das Problem der noch brauchbaren Lebensmittel im Abfall tatsächlich ist, kann nur geschätzt werden. Das Landwirtschaftsministerium geht von rund 11 Millionen Tonnen jährlich aus. Die Universität Stuttgart kommt auf einen Wert von 13 Millionen Tonnen. Und die Umweltorganisation WWF geht sogar von 18 Millionen Tonnen pro Jahr aus. Ob das containern allerdings tatsächlich einen signifikanten Beitrag zur Reduzierung dieser Mengen leisten kann, bleibt abzuwarten. Die allermeisten Menschen dürften auch weiterhin ihre Produkte im Laden selbst holen – und diese auch bezahlen.


Die Privathaushalte schmeißen am meisten gutes Essen weg

Justizsenator Steffen hat daher auch schon weitergehende Pläne entwickelt. So denkt er über einen Gesetzesentwurf nach, der es Supermärkten verbieten würde, Lebensmittel einfach wegzuwerfen. Stattdessen müssten diese an gemeinnützige Einrichtungen gespendet werden. Ähnliche Regelungen gibt es bereits in Frankreich und Tschechien. Ein Faktor wird in der Diskussion allerdings oft vernachlässigt: Die meisten Lebensmittelabfälle entstehen bei den Kunden zuhause. Die Gründe dafür sind vielfältig. So werden oftmals schon deutlich zu große Mengen eingekauft. Gleichzeitig ist viel Wissen über Nahrungsmittel verloren gegangen, sodass dem Mindesthaltbarkeitsdatum eine zu große Bedeutung beigemessen wird. Teilweise sind die Lebensmittel aber schlicht auch so günstig, dass nicht weiter über die Verschwendung nachgedacht wird.

Via: Zeit

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