3,5 Prozent des Weltstromverbrauchs könnten per Wellenenergie gedeckt werden. Mehr als ein Dutzend Entwickler in aller Welt haben entsprechende Anlagen entwickelt. Den großen Durchbruch hat noch niemand geschafft. Meist blieb es bei Prototypen, genauer Eintagsfliegen.


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40 Tonnen schwerer Teststand

Nemos will es anders machen. Das Duisburger Unternehmen, das aus der Universität Duisburg-Essen (UDE) ausgegründet wurde, geht die Sache langsam und systematisch an. „Wir haben mit einem Versuchskraftwerk am dänischen Limfjord begonnen“, sagt Jan Peckolt, einer der beiden Geschäftsführer. Es besteht aus einem 3,5 Meter langen Schwimmkörper, der mit Seilen an drei Punkten auf dem Meeresgrund verankert ist. Ein drittes Seil führt zu einem sechs Meter hohen Mast, an dem ein Generator befestigt ist. Die Wellen lassen den Schwimmkörper tanzen, sodass das vierte Seil den Generator in Gang setzt. Er erzeugt Strom. Er dreht sich auch weiter, wenn das Seil sich lockert. Dafür sorgt ein mechanischer Umsetzer.


„Unser Kraftwerk hat einen höheren Wirkungsgrad als andere Wellenkraftwerke“, sagt Peckolt. Auch das soll Garant für den Erfolg sein. Ebenso ein Versuchsstand, der an der UDE installiert worden ist. Er wiegt stolze 40 Tonnen und ist neun Meter hoch. Getestet wird hier die Energieerzeugungseinheit aus Generator und Umsetzer. Die Bewegungen des Schwimmkörpers simuliert ein Motor. „Hier wird unter kontrollierten Laborbedingungen geprüft, wie effizient und zuverlässig die zentrale Energiewandlungseinheit funktioniert“, sagt Professor Holger Hirsch vom UDE-Fachgebiet für Energiespeicherung und -transport.

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Ein paar Dutzend Kilowatt

Nächster Höhepunkt ist 2017 die Installation eines Wellenkraftwerks vor der belgischen Küste in der Nordsee. Der Schwimmkörper hat eine Fläche von 16 Quadratmetern und ist 75 Meter hoch. Die Energieerzeugungseinheit ist an einem 20 Meter hohen Mast befestigt, der elf Meter aus dem Meer herausragt. Die Leistung liege im zweistelligen Kilowattbereich, so Peckolt. Bei kommerziellen Anlagen wird es etwa zehnmal so viel sein. Der Strom wird über einen nahe gelegenen Knoten ins belgische Netz eingespeist.

Wellenenergie ergänzt Windkraft

Peckolt sieht im Wesentlichen zwei Regionen, in denen Nemos-Wellenkraftwerke errichtet werden können. Zum einen an den mehrere hundert Meterlangen Terminals, an denen Gas- und Öltanker ihre Fracht löschen. Ganze Gruppen von Kraftwerken könnten dort installiert werden. Die Energieerzeugungseinheiten würden dann einfach im Gestänge befestigt. Auch Offshore-Windparks bieten Möglichkeiten. Die Generatoren würden dann an den Masten der Mühlen befestigt. Der Strom könnte über die Kabel an Land geschafft werden, die für den Windpark verlegt worden sind.

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