Seitdem es die Erde gibt, unterliegt das Klima einem stetigen Wandel. Seit etwa 10.000 Jahren, also seit Beginn des Holozäns, ist das Erdklima relativ stabil, wenn man von kleineren Schwankungen absieht. Dieser Umstand kam der Entwicklung der menschlichen Zivilisationen sehr zu Gute. Nun aber steuern wir auf andere Zeiten zu: Sollte der Klimawandel ungebremst weitergehen, könnten schon in etwa 10 Jahren klimatische Bedingungen herrschen, die die Menschheit so noch nie erlebt hat.


Foto: Dry!, TheZionView View, Flickr, CC BY-SA 2.0

Klimatische Herausforderungen für Menschen

Bei fortschreitendem Klimawandel werden wir den vergleichsweise sicheren Klimabereich des Holozäns bereits in naher Zukunft verlassen, so eine Studie von Kevin Burke von der University of Wisconsin-Madison und seinem Team. „ Das Erdsystem bewegt sich auf Klimazustände zu, die die menschlichen Gesellschaften noch nicht erlebt haben – weder in der Geschichte der landwirtschaftlichen Zivilisationen noch seit der Entstehung des modernen Menschen vor rund 300.000 Jahren„, so warnen die Forscher.

In den wärmsten Zeiten des Holozäns, also vor etwa 6.000 Jahren, lagen die globalen Durchschnittstemperaturen nicht so hoch, wie sie heute bereits liegen. In den Hochzeiten des Holozäns lagen die mittleren Temperaturen etwa 0,7 Grad über den präindustriellen Werten von Anfang des 19. Jahrhunderts. Aktuell liegen wir bereits knapp ein Grad über diesen Werten.


Was genau das für den Menschen bedeutet, ist schwer zu sagen. Bereits im Jahr 2030 könnte das Klima dem in der Mitte des Pilozäns entsprechen. Damals lagen die Temperaturen 1,8 bis 3,6 Grad höher als die präindustriellen Bezugswerte, und in Europa lebten Giraffen und Vorfahren der Antilope. Auch der Meeresspiegel lag deutlich höher als heute. Die maximalen CO2-Werte damals lagen bei 400 ppm – ein Wert, den wir in der Gegenwart bereits überschritten haben.

Klimatische Veränderungen geschehen zu schnell

Problematisch ist vor allem, dass die Natur heute nicht wie damals vor drei Millionen Jahren zehntausende von Jahren Zeit hat, um sich an die neuen Begebenheiten anzupassen. Klimaveränderungen der Gegenwart sind dagegen eine Sache von wenigen Jahrzehnten. „ Unsere Analysen wecken ernste Sorge über unsere Anpassungsfähigkeit. Denn die Klimaveränderungen der kommenden Dekaden werden signifikant schneller ablaufen als in der Klimageschichte„, so dieForscher.

Sollte es uns nicht gelingen, den Klimawandel zu bremsen, könnten wir in das Temperaturmaximum des Eozän zurückfallen. Dieser Zustand könnte in einigen Regionen der Erde bereits 2100 erreicht werden. „ Die ungebremste Erwärmung des Szenarios RCP 8.5 entspricht einem Zurückschrauben des Klimas um rund 50 Millionen Jahre – in nur zwei Jahrhunderten„, so die Forscher. Damals lagen die globalen Durchschnittstemperaturen bei etwa 24 Grad – heute sind es knapp 15 Grad. Die Erde war damals nahezu eisfrei, und selbst in der sibirischen See herrschten damals Wassertemperaturen von knapp 27 Grad.

Vor allem Regionen wie Ost- und Südostasien, Australien und Südamerika könnten von diesen extremen Bedingungen heimgesucht werden. Die Forscher erwarten, dass 2100 nur noch in arktischen Gebieten ein Klima herrschen wird, das mit unserem heutigen Vergleichbar ist. Sie mahnen daher, dass wir alles uns Mögliche tun müssen, um den Klimawandel zu verlangsamen – und sei es, um der Natur schlicht mehr Zeit für eine Anpassung zu geben.

via University of Wisconsin-Madison

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