Der Bahnhof Schlettau im Erzgebirge wird seit dem Jahr 1997 nicht mehr zur regelmäßigen Personenbeförderung genutzt. Lediglich die Erzgebirgische Aussichtsbahn verwendet das Gebäude noch für einige Sonderfahrten im Jahr. Ausgerechnet dort fand nun aber ein viel beachtetes Experiment statt. Denn der Bahnhof wird von einem Forschungsprojekt namens „Smart Rail Connectivity Campus“ für Testfahrten genutzt. Unter Leitung der TU Chemnitz haben sich in diesem Rahmen 120 Partner aus Wissenschaft und Industrie zusammengeschlossen, um die Zukunft des Bahnverkehrs zu erforschen. Auch deshalb besitzt der Bahnhof Schlettau inzwischen eines der modernsten Mobilfunknetze der Welt: Vodafone hat dort ein mobiles Gitternetz mit zwei 5G-Antennen installiert. Dadurch wird eine Datenübertragung in Echtzeit ermöglicht.


Der Lokführer befand sich in einem Gebäude neben der Strecke

Dies wiederum nutzten die Forscher nun zu einer interessanten Versuchsfahrt. Dafür wurde eine Lok mit verschiedenen Kameras ausgestattet. Die dort gemachten Bilder bekam der Lokführer zu sehen. Dieser saß allerdings nicht im Zug selbst, sondern in einem ausgelagerten Führerstand. Von dort aus konnte er den Zug mithilfe verschiedener Schaltknöpfe in Echtzeit steuern. Wenn man so möchte, handelte es sich also um eine Modelleisenbahn in Originalgröße. Tatsächlich absolvierte der Testzug „Lucy“ in Schlettau eine Aus- und eine Einfahrt, ohne dass technische Probleme auftraten. Es war weltweit das erste Mal, dass ein Zug mithilfe des neuen Mobilfunkstandards 5G ferngesteuert wurde. Noch allerdings ist das Einsatzgebiet der Technik begrenzt: Die beiden 5G-Antennen funken nur jeweils 500 Meter weit.


Der Aufbau des 5G-Netzes dürfte Jahre in Anspruch nehmen

Zukünftig soll nun zunächst die komplette 24 Kilometer lange Teststrecke entsprechend ausgerüstet werden. Dann wären auch deutlich längere ferngesteuerte Fahrten möglich. Sollte in ferner Zukunft dann landesweit eine Datenübertragung mittels 5G zur Verfügung stehen, könnten Lokführer theoretisch tatsächlich von zuhause aus arbeiten. Dies wäre für die Bahnbetreiber ein enormer Vorteil. Denn wenn heutzutage ein Lokführer kurzfristig ausfällt, muss der Ersatz erst anreisen. Dies sorgt für Verspätungen. Zukünftig könnte dann theoretisch ein Kollege aus der Zentrale einspringen. Noch ist dies aber reine Zukunftsmusik. Aktuell verhandeln die Forscher in Sachsen zunächst einmal mit der Landesregierung über weitere Fördermittel. In spätestens fünf Jahren soll die Technik dann zumindest auf der Teststrecke so weit sein.

Via: MZ

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