Wer sich mit deutschen Redewendungen auskennt, weiß, dass man Häuser nicht auf Sand bauen sollte. Für den Bau von Gebäuden wird der Rohstoff aber sehr wohl benötigt – und zwar in sehr großen Mengen. Schätzungen gehen davon aus, dass für ein klassisches Einfamilienhaus rund 200 Tonnen Sand benötigt werden. Weltweit kommen somit jedes Jahr enorme Mengen zusammen. In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die Nachfrage zudem noch einmal erhöht. Dies liegt zum einen daran, dass vor allem in vielen Schwellenländern schlicht mehr gebaut wird. Zum anderen wird seltener auf traditionelle und lokale Bauweisen gesetzt, sodass öfter Beton benötigt wird. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP warnt nun: Aktuell wird die hohe Nachfrage nicht nachhaltig gedeckt.


Bild: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Haltern am See, Sythen, Quarzwerke, Silbersee — 2014 — 4150” / CC BY-SA 4.0

Der Sandabbau gefährdet die lokalen Ökosysteme

Stattdessen bringt der stark ausgeweitete Abbau enorme Auswirkungen auf die Umwelt mit sich. So kann das Ausbaggern von Flüssen dafür sorgen, dass die Ufer an Stabilität verlieren. Dies steigert langfristig die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen. Viele Meerestiere verlieren durch den Sandabbau auch ihren natürlichen Lebensraum, sodass komplette lokale Ökosysteme durcheinander gewirbelt werden. In den nächsten Jahren ist zudem nicht damit zu rechnen, dass die Nachfrage wieder abnimmt. Stattdessen gehen Prognosen von einem weiteren Anstieg um 5,5 Prozent pro Jahr aus. Schon heute verbaut die Menschheit 40 bis 50 Milliarden Tonnen Sand pro Jahr. Es handelt sich damit um einen der wichtigsten Rohstoffe überhaupt.

Wüstensand ist für den Bausektor ungeeignet

Problematisch ist zudem die Tatsache, dass in der Baubranche nur eine bestimmte Art von Sand verwendet werden kann. So ist es nicht möglich, den reichlich vorhandenen Wüstensand zu nehmen. Denn dieser wurde im Laufe der Jahre stark abgeschliffen und haftet daher nicht mehr gut genug. Stattdessen muss Sand oftmals dort abgebaut werden, wo er eigentlich dringend benötigt wird: In Flüssen, an Küsten und an Stränden. Weil der Rohstoff deshalb durchaus knapp ist, hat sich inzwischen sogar eine Art Sand-Mafia etabliert, die einen illegalen Handel betreibt. Oftmals finden diese Aktivitäten außerhalb des Blicks der Öffentlichkeit statt. Manchmal allerdings machen besonders spektakuläre Aktionen auch international Schlagzeilen – etwa als in Jamaika im Jahr 2008 ein ganzer Strand illegal abtransportiert wurde.


Via: Der Spiegel

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