Die Zahl an sich ist schon bedenklich: Ein knappes Viertel der weltweit produzierten Kalorien wird nie gegessen. Grundsätzlich ist dies allerdings kein reines Wohlstandsphänomen. Denn auch in den ärmeren Regionen gehen Nahrungsmittel auf dem Weg von der Produktion auf den Teller verloren – nur zu einem anderen Zeitpunkt und aus anderen Gründen. Gelänge es diese Ausfälle zu verringern, könnte dies ein entscheidender Beitrag zur weltweiten Nahrungsversorgung darstellen. Wie das „World Resources Institute“ anlässlich des gestrigen Welternährungstags veranschaulichte, bedarf es dazu aber je nach Weltregion verschiedener Ansätze.


Lebensmittelverschwendung
Foto:Weggeworfene Lebensmittel; Urheber Foerster CC BY-SA 3.0 (VIA WIKIMEDIA COMMONS)

Spitzenreiter bei der Verschwendung von Nahrungsmitteln sind Nordamerika und Ozeanien. Dort kommen 42 Prozent der produzierten Kalorien nie im Magen eines Menschen an. Alle anderen Regionen der Welt pendeln um den Wert von 20 Prozent – wobei Lateinamerika mit 15 Prozent das untere Ende der Skala besetzt. Interessant ist nun allerdings, dass die Lebensmittel zu völlig verschiedenen Zeitpunkten verloren gehen. So geschieht in den Industrieregionen Nordamerika, Ozeanien, Europa und dem industrialisierten Teil Asiens mehr als die Hälfte des Nahrungsmittelverlustes erst beim Endverbraucher.

Industrieländer benötigen verstärktes Bewusstsein

Das heißt, der eigentlich schwierige Teil – die Produktion, Lagerung und der Transport der Lebensmittel– gelingt vergleichsweise gut. Der Endkonsument allerdings sorgt dafür, dass trotzdem reichlich Nahrungsmittel im Müll landen. Dabei dürften die meisten Menschen in diesen Regionen über ausreichend Infrastruktur – Kühlschränke, Gefriertruhen und ortsnahe Supermärkte – verfügen, um die gekauften Lebensmittel nicht schlecht werden zu lassen. In diesen Regionen bedarf es daher wohl vor allem einer Steigerung des Bewusstseins für dieses Thema. Zudem kann eine bessere Wissensvermittlung über Lebensmittel sinnvoll sein: Nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, müssen eingekaufte Produkte noch lange nicht im Müll landen.


Entwicklungsländer brauchen Technik und Ausbildung

Anders sieht die Situation in den ärmsten Ländern der Welt aus. In der Subsahara und in Süd- und Südostasien ist der Verlust beim Verbraucher nur sehr gering. Hier liegt die Problematik bei der Produktion und vor allem in der Lagerung der Lebensmittel. In beiden Regionen gehen rund 70 Prozent der produzierten Kalorien bereits verloren, bevor sie den Händler oder gar den Endverbraucher erreichen. Mit Aufklärungskampagnen über Mindesthaltbarkeitsdauern wird man hier keinen großen Effekt erzielen. Vielmehr muss es hier um die Entwicklung und Verbreitung von Technologie, sowie eine entsprechende Schulung der Farmer gehen. Alleine der Einsatz von Kühlhäusern könnte den Verlust an Lebensmitteln wohl drastisch senken. Auch bestimmte, angepasste Ackerbautechniken könnten hilfreich sein, um mehr gesäte Pflanzen auch wirklich ernten zu können.

Mit Hilfe dieser Daten sollen nun konkrete Projekte und Kampagnen entwickelt werden, die zielgerichtet die Probleme der einzelnen Regionen angehen. Das Ziel ist in jedem Fall lohnenswert: Bis 2050 muss die Welt laut einer Studie des „World Resources Institute“ 69 Prozent mehr Kalorien als heute produzieren, um die Weltbevölkerung zu ernähren. Gelingt es, die Lebensmittelverschwendung um die Hälfte zu reduzieren, würde diese Maßnahme alleine schon 20 Prozent der zusätzlich benötigten Kalorien bereitstellen.

Quelle: Treehugger

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