Der ehemalige Kanzlerkandidat Franz Josef Strauß versuchte 1983 unter anderem mit einem kleinen Witz Wähler für sich zu gewinnen. „Was passiert, wenn in der Sahara der Sozialismus eingeführt wird?“, fragte er seine Zuhörer. Die Antwort: „Zehn Jahre überhaupt nichts, und dann wird der Sand knapp.“ Strauß verlor die Wahl dennoch. Tatsächlich wird der Sand auf der Erde inzwischen knapp. Allerdings nicht der Wüstensand in der Sahara. Denn dieser wurde durch den Wind bereits so glatt gestrichen, dass er nicht mehr von der Bauindustrie verwendet werden kann. Der stattdessen benötigte Sand aus Flüssen, Küsten und Ozeanen wird hingegen weltweit immer stärker nachgefragt. Die bisherigen Abbaumöglichkeiten sind aber weitgehend ausgeschöpft, sodass die jährliche Produktion bei rund zehn Milliarden Tonnen stagniert.


Bisher wird in Grönland nur sehr wenig Sand abgebaut

Doch nun haben Forscher der „University of Colorado Boulder“ eine mögliche neue Quelle genauer unter die Lupe genommen. Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass die riesigen Gletscher auf Grönland langsam abschmelzen. In der Zukunft dürfte sich dies durch den Klimawandel noch weiter verstärken. Dadurch aber werden auch immer mehr Sedimente an die Küste gespült. Schon heute kommt Grönland auf einen Anteil zwischen sieben und neun Prozent bei den durch Flüsse in die Ozeane gespülten Sedimenten. Bisher allerdings wird auf der Insel noch so gut wie kein Sand abgebaut. Dies hat auch mit den traditionell schwierigen klimatischen Bedingungen zu tun. Aber auch diese verändern sich, sodass große Teile der Küste inzwischen ganzjährig eisfrei sind. Bagger und Schiffe hätten also freie Bahn.


Das wirtschaftliche Potential ist gewaltig

Die US-Forscher schätzen, dass der an den Küsten Grönlands lagernde Sand schon heute einen Marktwert von mehr als einer Milliarde Dollar besitzt. Zum Vergleich: Die jährliche Wirtschaftsleistung des Landes liegt insgesamt bei 2,2 Milliarden Dollar. Durch die weiter fortschreitende Gletscherschmelze dürfte sich das wirtschaftliche Potential des Sandabbaus zudem weiter erhöhen. Allerdings sollte die Entscheidung für einen stärkeren Abbau wohl überlegt sein. Denn Umweltschützer warnen vor massiven Risiken für die empfindliche Natur vor Ort. Diese können etwa durch aufgewirbelte Sedimente, eingeschleppte Arten oder die zusätzlich benötigte Infrastruktur entstehen. In der Studie wird daher eine enge Zusammenarbeit mit der Bevölkerung empfohlen, um die negativen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Via: Süddeutsche Zeitung

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