Wasser galt in Malaysia einst als quasi unerschöpfliche Ressource. Als das Land in den 1960er Jahren unabhängig wurde, waren Phänomene wie der Klimawandel noch völlig unbekannt. Außerdem lag die Bevölkerungszahl nur bei einem Drittel des heutigen Werts. 1962 wurde daher ein Vertrag mit dem benachbarten Singapur geschlossen. Seitdem versorgt Malaysia den kleinen Stadtstaat mit Wasser. Gültig ist diese Vereinbarung noch bis in das Jahr 2061. Inzwischen dürfte der große Nachbar über den Vertrag allerdings alles andere als glücklich sein. Denn dort wurde ein Preis von 0,03 Ringgit pro 1000 Gallonen vereinbart. Als Wasser noch im Überfluss vorhanden war, schien dies eine faire Bezahlung zu sein. Inzwischen handelt es sich aber um eine Art Mega-Schnäppchen.


Singapur ist eigentlich viel reicher als Malaysia

Für Malaysia ist die Situation aktuell zudem gleich doppelt bitter. Denn die eigenen Wasservorräte sinken seit dem Jahr 2014 kontinuierlich und erreichen immer neue Tiefststände. In Zeiten der Dürre muss das Land daher dann selbst wieder Wasser importieren. Teilweise wird deshalb auch das zuvor an Singapur gelieferte Wasser zurückgekauft – und zwar für das Zwanzigfache des Ursprungspreises. Zwar handelt es sich um sauberes Trinkwasser, dass in dem Stadtstaat aufbereitet wurde. Dennoch ist die Gewinnspanne für Singapur beträchtlich. In Malaysia wiederum sorgt dies für Unmut. Zumal Singapur auf diese Art der Subvention gar nicht angewiesen wäre: Die Wirtschaftsleistung pro Kopf liegt in dem Stadtstaat rund dreimal so hoch wie beim großen Nachbarn.


Singapur will unabhängig von Wasserimporten werden

Inzwischen haben die beiden Länder daher zumindest vereinbart, den Vertrag noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und möglicherweise anzupassen. Das grundlegende Problem in der Region wird aber auch dadurch nicht gelöst: Es gibt schlicht zu wenig Wasser für zu viele Menschen. In Singapur hat man daher bereits reagiert und setzt vor allem auf drei Maßnahmen zur Wassergewinnung. Zum einen werden Entsalzungsanlagen gebaut, um das Meerwasser nutzen zu können. Außerdem wird ein Teil des Abwassers inzwischen wieder aufbereitet. Und schließlich sollen riesige Rückhaltebecken möglichst viel Regenwasser auffangen. Das große Ziel der kleinen Nation: Wenn Malaysia ab dem Jahr 2061 kein Wasser mehr liefern muss, soll sich Singapur selbst versorgen können.

Via: NZZ

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