Lange Zeit war es üblich, dass Müll aus Deutschland nach China geschifft wurde. Egal, ob es sich um Plastikabfälle oder Elektronikmüll handelte: Deutscher Müll landete im Reich der Mitte, das sich dafür natürlich entlohnen ließ. Das hat sich aber nun geändert. Seit Beginn des Jahres darf nur noch Abfall nach China importiert werden, der noch weiterverwertet werden kann. Den eigenen Müll durchsuchen derweil große Sortieranlagen nach wertvollen Bestandteilen. China hat eine durchdachte Rohstoffstrategie. In Deutschland fehlt diese leider – bzw. lässt arg zu wünschen übrig.


Deutschland entsorgt planlos

Seitdem unbrauchbarer deutscher Müll nicht mehr nach China gebracht werden darf, wird dieser in großen Mengen nach Vietnam oder Malayia verschifft. Oder muss eben in Deutschland bleiben. Europäische Länder haben über lange Zeit wertvolle Materialströme aus dem Abfall abgeschöpft und wertlose Plastikabfälle exportiert. China möchte nun nicht mehr Ziel unbrauchbarer Abfallmengen werden – eine Haltung, die durchaus verständlich ist.


Experten bemängeln schon seit einiger Zeit, dass es in Deutschland keine wirklich durchdachte Rohstoffstrategie gibt. Die Tatsache, dass China seine Grenzen für deutschen Müll schließt, sehen viele als Chance, da so der Druck auf die deutsche Abfallindustrie steigt. Müll müsse besser sortiert und in seine Einzelteile getrennt werden. So lasse sich auch die Effizienz des Recyclings steigern.

Eine bessere Rohstoffstrategie würde bares Geld bringen

Durch die fehlende Rohstoffstrategie gehen echte Werte verloren. Denn das sogenannte Urban Mining, also die Suche nach Rohstoffen in Abfällen, ist durchaus lukrativ. Besonders in den Abfällen moderner Industriestaaten finden sich große Mengen an Aluminium, Kupfer, Kunststoffen und sogar Gold und andere seltene Metalle.

Bis 2021 sollen weltweit 50 Millionen Tonnen Elektroschrott anfallen, für 1,7 Millionen davon wird Deutschland verantwortlich sein. Hierzulande werden lediglich etwa 40 Prozent des Elektroschrotts ordnungsgemäß entsorgt, der Rest geht im Hausmüll oder im Keller verloren. Speziell in Handys, Flachbildfernsehern, Tablets und Computern stecken viele Rohstoffe. Rein rechnerisch erzeugt jeder Deutsche pro Jahr 20 Kilogramm Elektroschrott. Da gehen nicht nur große Werte verloren, sondern der ganze Schrott muss auch irgendwo bleiben. Schuld an der schlechten Recyclingrate ist auch die Industrie: Immer kleinere Geräte, die sich immer schlechter in ihre Einzelteile zerlegen lassen, sorgen für große Probleme. Und was nicht recycelt werden kann, wird schlicht verbrannt.

So landet etwa viel Kunststoffmüll in der Verbrennungsanlage, weil zahlreiche Verpackungen aus teils sehr unterschiedlichen Kunststoffen bestehen, die aber miteinander verschweißt sind. Ähnlich problematisch sind Beschichtungen und Legierungen.

Was fehlt, ist ein einheitlicher Ansatz. Oft haben die Recycler keine Informationen darüber, woraus sich kleiner Elektroschrott überhaupt zusammensetzt. Dabei verbergen gerade kleine Geräte wie etwa Smartphones zahlreiche Rohstoffe, darunter seltene Erden wie Kobalt oder Lithium. Gäbe es eine bessere Kommunikation zwischen Recyclern und der Industrie, gäbe es auch mehr Anreize, das Recycling effizienter zu gestalten.

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