Erdgas aus Überschussstrom: Ein Modell, das Schule macht. Dass solche Anlagen auch im Regelenergiemarkt eingesetzt werden, um das manchmal von großen Mengen an Wind- und Solarstrom gebeutelte Stromnetz zu stabilisieren, ist eine neue Erscheinung. Nach einer Power-to-Gas-Anlage im rheinischen Werlte, in der Erdgas mit Hilfe eines Katalysators aus Wasserstoff und Kohlendioxid hergestellt wird, machen jetzt auch die Betreiber einer Anlage im hessischen Allendorf an der Eder mit. Dort produziert ein 310-Kilowatt-Elektrolyseur Wasserstoff aus Wasser. Der wird mit Kohlendioxid vermischt, das eine Biogasanlage am gleichen Standort liefert. Dieses Mischgas ist ein ideales Nahrungsmittel für bestimmte Mikroorganismen, das aufgenommen und zu Methan verdaut wird. Das so produzierte Methan wird dann wieder in das Erdsgasnetz eingespeist und als zertifizierter Treibstoff verfügbar gemacht.


Erdgas für 750.000 Autokilometer

Abgenommen wird es von Audi, das Erdgasautos im Angebot hat. Diese tanken zwar nicht alle in Allendorf, dem Sitz des Heizkesselherstellers Viessman, der die Anlage betreibt. Das synthetische Erdgas wird ins Netz eingespeist. An anderer Stelle beziehen Tankstellen daraus ihr Erdgas. Audi darf für seine Zwecke genau so viel abzapfen wie in Allendorf eingespeist wird. Die dortige Jahresproduktion reicht für eine Fahrstrecke von 750.000 Kilometern mit einem Audi A3 g-tron aus, bisher jedenfalls, denn künftig wird der Elektrolyseur nur noch in Betrieb genommen, wenn Überschussstrom im Netz ist.


Neulinge im Regelenergiemarkt

Um am Regelenergiemarkt teilzunehmen, muss der jeweilige Stromverbraucher beziehungsweise -erzeuger zusichern, jederzeit kurzfristig Strom zu verbrauchen oder zu produzieren. Im Fall Allendorf geht es um Stromverbrauch. Strommangel und Stromüberschuss gefährden gleichermaßen die Stabilität des Netzes. Deshalb ist eine Menge an Regelenergie nötig, um einen Zusammenbruch zu vermeiden. Den größten Anteil haben derzeit Pumpspeicherkraftwerke, deren Oberseen gefüllt werden, wenn Strom im Überfluss vorhanden sind. Wenn zu wenig produziert wird, etwa an trüben windarmen Tagen, stürzen die Wassermassen zu Tal und treiben Turbogeneratoren an.

Alternativen für fossile und Kernkraftwerke gesucht

Auch fossile und Kernkraftwerke sind wichtig für die Netzstabilität. Aufgrund der gewaltigen rotierenden Massen der Turbogeneratoren gleichen sie automatisch ein wechselndes Stromangebot aus. Da beide Kraftwerkstypen in Deutschland zu den Auslaufmodellen zählen müssen andere einspringen, etwa große Batterieblocks, zu virtuellen Kraftwerken zusammengeschaltete private Batterien, die Solarstrom speichern, und eben Biogasanlagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.