Das natürlichste Fortbewegungsmittel besitzt in der modernen Welt keine Lobby: unsere zwei Beine, die uns, wenn wir das Glück haben gesund zu sein, zuverlässig von Ort zu Ort bringen. In den heutigen Städten werden Fußgänger eher bedrängt und plattgefahren als gefördert, nur in den großen Fußgängerzonen sind sie willkommen. Denn dort soll fleißig konsumiert werden.


Fußgänger sollten viel mehr Raum in unseren Städten erhalten.

Wir sitzen zu viel auf dem Hintern!

Mindestens 10.000 Schritte soll der Mensch pro Tag machen, oder dreimal täglich für zehn Minuten schnell gehen. Wir sitzen einfach zu viel auf dem Hintern, ob vor dem Rechner, im Auto oder in den Öffis. Das bringt uns nicht nur viele gesundheitliche Probleme, sondern trennt uns auch von dem Rhythmus des Lebens – und hält uns davon ab, unsere Umwelt in Ruhe mit allen Sinnen zu erfahren. Doch nachdem die Städteplaner jahrzehntelang das Auto in allen Bereichen gefördert haben, sattelt man nun zunehmend auf Radfahrer um. Die sollen freie Fahrt bekommen, von einem Ort zum nächsten sausen, und so dem Stau ein Schnippchen schlagen. Schlecht ist das natürlich nicht (wenn es denn funktioniert), doch wer denkt an den Fußgänger?

Gemütliche Flaniermeilen statt konsumlastige Einkaufsstraßen

„Wir müssen gehen, genau wie Vögel fliegen müssen. Müssen unter Menschen sein. Brauchen Schönheit, Kontakt mit der Natur. Und vor allem dürfen wir nicht ausgeschlossen werden. Wir müssen eine gewisse Gleichberechtigung erleben«, so äußerte sich Enrique Penalosa, der verdienstvolle Altbürgermeister von Bogota. Zu Fuß zu gehen, und zwar müßig, ohne Eile, und mit offenen Augen, das fördert nicht nur die Gesundheit, sondern oftmals auch soziale Kontakte. Zumindest dann, wenn die Fußgängerwelt entsprechend gestaltet ist: Ansprechende Erdgeschosszonen, einladende Bänke und Stufen, Poller zum Anlehnen und ganz viel Bewegungsfreiheit, das animiert dazu, zu bummeln, statt zu rennen, und die Zeit zu Fuß zu genießen. So kommen Menschen wieder miteinander ins Gespräch, und die gemütliche Flaniermeile ersetzt die konsumlastige Einkaufsstraße.


Wer Städte für Fußgänger baut, der baut Städte für Menschen, so einfach ist das! Der fördert das Miteinander, die Lebensqualität, den Genuss. Diese Verkehrswende wäre ein echter gesellschaftlicher Segen.

Quelle: tagesspiegel.de

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