In den USA greift im Moment ein Trend um sich, über den viele eingefleischte Weintrinker eher die Nase rümpfen würden: Wein aus der Dose. Im Jahr 2017 stieg der Umsatz von Dosenwein um 54 Prozent, und auch 2018 blieb das Wachstum zweistellig. Auf dem europäischen Markt, etwa in Deutschland oder Frankreich, bleiben die Einzelhändler indes skeptisch. Dabei haben die Dosen echte Vorteile: So sind sie in der Regel etwa deutlich ökonomischer als Glasflaschen.


Aktuell sind Getränkedosen eher bei Energydrinks ein Thema. By Dominicp (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Wein in Dosen feiert in den USA Erfolge

In Deutschland schlägt der Getränkedose generell eine gehörige Portion Skepsis entgegen. Das war schon zu den Hochzeiten des Dosenbieres so, und auch heute wird allen Getränken, die in Alu oder Blech ausgeliefert werden, schnell ein etwas billiges Image zugeordnet.

Und jetzt also Wein aus Dosen? Was für viele europäische Weintrinker absurd klingt, greift in den USA gerade um sich. Vor allem die sogenannten Terrassenweine verkaufen sich in Dosen ausgezeichnet. Lagerfähige Weine sind weniger für den Verkauf in der Dose geeignet, da sie so nur etwa zwei Jahre stabil bleiben. Für alkoholarme Rosés oder Blanc de Blancs sind die Dosen aber durchaus geeignet.


Dosenwein ist nicht zuletzt auch deshalb ein Thema, weil so junge Leute an einen Markt herangeführt werden können, der traditionell eher den Älteren vorbehalten sind. Dosenwein lässt sich gut mitnehmen und kann in den USA auch am Strand konsumiert werden, wo Glasflaschen verboten sind. Und der Trend aus den USA scheint auch nach Europa zu kommen: So listet die BBC in Großbritannien den Wein aus der Dose unter den Food-Trends für das Jahr 2019.

Kommt der Trend nach Europa?

Der Erfolg solcher Konzepte ist maßgeblich mit der Trinkkultur eines Landes verbunden. Die Firma Finest Food Factory aus Bochum füllt bereits seit zwei Jahren Weine wie Dornfelder, Merlot und Riesling in Dosen für den US-Markt ab – durchaus mit finanziellem Erfolg. Auch in Osteuropa und Asien gäbe es eine rege Nachfrage. Der deutsche Einzelhandel indes ist von dem Konzept nicht überzeugt.

Ähnlich sieht es auch in Frankreich aus. So beliefert das Weingut Château Maris die britische Supermarktkette Waitrose mit Dosenwein. Dafür gäbe es gute Argumente, unter anderem auch von einem ökologischen Standpunkt aus gesehen. Wenn man Transport und Recycling einrechne, so sei die CO2-Bilanz der Dose besser als die der Glasflasche. In Frankreich, einem absoluten Weinland, in dem die Kunden schon Schwierigkeiten haben, eine Glasflasche mit Drehverschluss zu akzeptieren, läuft das Geschäft indes schlecht.

Dennoch glaubt man auf Château Maris, dass der Wein in der Dose sich etablieren wird. Auf der Messe Pro Wein in Düsseldorf wurde im vergangenen März erstmals Dosenwein verkostet. Der Weinkritiker Stuart Pigott sagte später, einzig der Ruf als Tankstellengesöff spreche gegen den Wein aus der Dose.

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