Die Idee hinter privaten Fahrdiensten war ursprünglich, dass sie den Stadtverkehr entlasten sollen. Wie sich herausgestellt hat, ist eher das Gegenteil der Fall. In der US-Metropole San Francisco sind die von Apps vermittelten Fahrten von Fahrdiensten wie Uber oder Lyft inzwischen ein Mitverursacher für Staus. Einer Studie zufolge verlieren Autofahrer etwa 40 Prozent mehr Zeit als wenn es derartige Fahrdienste nicht gäbe.


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Uber und Lyft auf dem Prüfstand

Inzwischen sind sie nahezu weltweit verbreitet: Fahrvermittlungen wie Uber und Lyft sind stark im Aufwind. Bei den Fahrdiensten kommen im Gegensatz zu Taxiunternehmen keine professionellen Fahrer zum Einlass. Stattdessen kann sich jeder in einer App als Fahrer registrieren und erhält dann Aufträge. Die Idee dahinter war, dass Autos so besser genutzt werden und die Anzahl Einzelfahrten gesenkt wird. Zumindest nutzen das die Anbieter als Argument.


Die Datenlage zu den Effekten der Fahrdienste ist bisher eher widersprüchlich. Eine Verkehrsentlastung kommt nur dann zustande, wenn die Fahrten mit Uber und Co den eigenen PKW ersetzen. Wenn der Mitfahrer statt einem Uber sein Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr genutzt hätte, verpufft der Effekt.

Ein Team rund um Gregory Erhardt von der University of Kentucky haben den Effekt privater Fahrvermittlungen auf den Stadtverkehr untersucht. Dafür haben die Forscher Daten der Dienste Uber und Lyft für die Stadt San Francisco ausgewertet. Die Daten aus dem Jahr 2016 schlüsselten für jede Straße der Stadt auf, wie viele Mitfahrer wann aufgenommen und abgesetzt wurden. Diese Daten verglichen die Forscher dann mit Daten der Verkehrsbehörden zum Verkehrsaufkommen, Staus und anderen Behinderungen. Anschließend modifizierten die Wissenschaftler ihr Modell, sodass es die Verkehrslage in San Francisco von 2010 bis 2016 einmal mit und einmal ohne die Auswirkungen der Fahrdienste wiedergab.

Negativer Effekt auf den Stadverkehr

Das Ergebnis überraschte die Forscher dann doch: Statt einer Entlastung fanden sie Belege dafür, dass die Existenz der Fahrdienste für Autofahrer in San Francisco inzwischen zu mehr Verzögerungen im Stadtverkehr führt. Im Jahr 2016 benötigten Autofahrer unter der Woche etwa 62 Prozent länger für ihre Wege als 2010 – in dem Szenario ohne Uber und Lyft hätten sie im gleichen Jahr nur 22 Prozent länger gebraucht.

Durch die Fahrdienste seien außerdem nicht weniger Autos in der Stadt unterwegs, so die Forscher. Das Gegenteil sei der Fall: Ohne Uber und Lyft hätten sich die Fahrstunden aller PKW in San Francisco von 2010 bis 2016 um etwa zwölf Prozent erhöht. Mit den Diensten waren es 30 Prozent.

Der Effekt der Mitfahrdienste ist damit eher negativ: „ Fahrdienste sind der größte Beitrag zum wachsenden Stauproblem in San Francisco. Ihr Effekt übersteigt selbst die kombinierte Wirkung von Bevölkerungswachstum, steigenden Beschäftigungszahlen und Netzwerkveränderungen„, erklären die Forscher. Die Argumente der Betreiber, dass durch die Fahrten Einzelfahrten oder Privatautos eingespart werden, greifen nicht.

Die Wissenschaftler gehen außerdem davon aus, dass die Ergebnisse sich auf andere Ballungsräume mit großer Dichte und gut ausgebautem Verkehrssystem übertragen lassen. „ Unsere Ergebnisse stimmen mit denen einer aktuellen Studie in New York überein, die ebenfalls eine Zunahme der Staus und Fahrtverzögerungen durch die Fahrdienste feststellte„, so das Team.

Aus Sicht der Forscher sollten die negativen Effekte auch von Verkehrsplanern und Kommunalverwaltungen berücksichtigt werden, unter anderem auch bei der Regulierung von Diensten wie Uber und Co.

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