Seit dem Ende der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 befindet sich Deutschland in einem ungewöhnlich lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Davon profitierten allerdings nicht alle Firmen gleich stark. Denn während der Online-Handel beispielsweise boomt, hatten viele stationäre Händler trotz der eigentlich guten Rahmenbedingungen schwer zu kämpfen. Inzwischen mehren sich zudem die Anzeichen, dass sich die Phase des lang anhaltenden Aufschwungs langsam dem Ende zuneigt. Im zweiten Quartal dieses Jahres ging die Wirtschaftsleistung hierzulande beispielsweise sogar schon leicht zurück. Dies wirft die Frage auf, ob Unternehmen, die schon in Zeiten des Booms Probleme hatten, den neuen Herausforderungen gewachsen sind? Oder ob in den deutschen Innenstädten zukünftig noch mehr Leerstand zu befürchten ist, weil immer mehr Firmen in die Insolvenz schlittern?


By Raidarmax (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Einzelne Branchen sind besonders stark betroffen

Schaut man sich die Entwicklung in den vergangenen Jahren an und blickt über den großen Teich in die Vereinigten Staaten, lässt sich vor allem eine doppelte Zweiteilung innerhalb des stationären Handels beobachten. Zum einen gibt es Branchen, die von der Entwicklung hin zum Online-Handel kaum betroffen sind. Dies gilt etwa für den Bereich der Nahversorgung mit Lebensmitteln. Rewe und Edeka beispielsweise konnten ihre Umsätze zuletzt stark steigern. Amazon Fresh hingegen erreichte in Deutschland bisher keine relevanten Marktanteile. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Branchen, die schon in Zeiten des Aufschwungs stark zu kämpfen hatten – etwa der Bekleidungshandel, Elektronikmärkte und Möbelhändler. Diese Entwicklung dürfte sich in Zeiten der Rezession weiter beschleunigen. Insolvenzen wie zuletzt bei der deutschen Modekette Gerry Weber dürften hier kein Einzelfall bleiben.

Der Wettbewerb verschiebt sich immer stärker

Gleichzeitig gibt es aber auch innerhalb der einzelnen Branchen eine Polarisierung. Auf der einen Seite stehen Unternehmen, die sich bereits in der Vergangenheit gut aufgestellt haben und in den letzten Jahren hohe Profite einfahren konnten. Diese Firmen dürften auch den einsetzenden Abschwung gut überstehen. Mehr noch: Sie könnten von der wirtschaftlichen Abkühlung sogar profitieren. Denn viele bisherige Konkurrenten, die schon jetzt mit geringen Margen und fehlendem Kundeninteresse zu kämpfen haben, könnten dauerhaft vom Markt verschwinden. Davon würde dann zum einen natürlich der Online-Handel profitieren – zum anderen aber eben auch die starken stationären Einzelhändler. Für die deutschen Innenstädte ist dies aber nicht zwingend eine gute Nachricht. Denn wenn der Wettbewerb in erster Linie zwischen Online- und Offline-Handel stattfindet – und nicht mehr zwischen verschiedenen stationären Händlern – werden natürlich auch weniger Flächen benötigt.


Via: Washington Post

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