Die Freiheit der Forschung ist ein wichtiges Gut und sowohl im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland als auch in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union als Grundrecht festgelegt. Ganz so frei wie sie sein sollte ist die Forschung jedoch nicht. Das fängt schon damit an, dass viele wissenschaftliche Publikationen nur einem zahlenden Publikum zugänglich ist. Und ja, der gebildete Leser wird nun anmerken, dass diese Tatsache kein nicht gerechtfertigter Eingriff in Artikel 5 Abs. 3 GG darstellt, aber dennoch sind derartige Zugangsbarrieren forschungsfeindlich. Die EU möchte dies nun ändern und in einem ambitionierten Vorstoß sämtliche wissenschaftlichen Aufsätze, die EU-Fördergelder erhielten, frei zugänglich machen.


Bild:  Bookshelves, Germán Poo-Caamaño, Flickr, CC BY-SA 2.0
Bild: Bookshelves, Germán Poo-Caamaño, Flickr, CC BY-SA 2.0

Förderung von Innovation und Forschung

Das Ziel hinter diesem Vorstoß ist nicht nur eine Verbesserung der Forschung und Wissenschaft, sondern dahinter auch eine Verbesserung des Standings der EU als Innovations- und Wirtschaftsstandort. Durch die Freigabe der Aufsätze sollen Startups aus anderen Ländern in die EU gezogen werden. Diese tragen zur Innovation bei, schaffen Arbeitsplätze und bringen nicht zuletzt Jobs in die EU.

Bekanntgegeben wurde das Vorhaben von Carlos Moedas, dem EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, auf dem Competitiveness Council in Brüssel letzte Woche. Initiiert hat das Vorhaben jedoch die niederländische Regierung.


Demokratischer Umgang mit Wissen

Hinter den ambitionierten Plänen steckt ein nobles Vorhaben, nämlich ein demokratischerer Umgang mit Wissen. Jeder, der interessiert ist, soll freien Zugang zu Erkenntnissen und Diskussionen in der Wissenschaft haben und nicht dazu gezwungen sein, auf teure Abonnements zurückzugreifen. Das Vorhaben soll auch den Austausch zwischen Wissenschaftlern anregen, wobei diese bereits jetzt über ihre Forschungsstellen oft Zugang zu den entsprechenden Publikationen haben.

Research and innovation provide the solutions to the social and economic challenges of the future. Open access breaks down the walls surrounding science and makes sure that society benefits as much as possible from all scientific insights. In that way, we maximize the impact of universities and knowledge institutions, so Sander Dekker vom niederländischen Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft in einer Pressemitteilung.

Ein nicht unbeträchtlicher Teil der wissenschaftlichen Forschung in Europa greift auf Fördergelder von der EU zurück, was bedeutet, dass nach der, noch in der Schwebe hängenden, Umsetzung der Initiative freier Zugang zu vielen Aufsätzen gewährt wäre. Dieser Umstand dürfte auf Widerstand aus der Verlagsszene stoßen und wird unter Umständen in Zukunft Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen werden.

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