Nach einem Herzinfarkt verbleibt ein – je nach Verlauf – mehr oder minder großes Areal des Herzmuskels, der vernarbt ist. Diese Narbenareale können zu einer verminderten Effizienz des Herzmuskels und mittelfristig zu erneuten Infarkten führen. Um diesem Effekt entgegenzuwirken, hat eine Gruppe Wissenschaftler eine Art Flicken entwickelt, der den Herzmuskel regenerieren soll.


Herzmuskel
Foto: Untitled, Charlotte Astrid, Flickr, CC BY-SA 2.0

Kleiner Flicken heilt den Herzmuskel

Die Forscher nutzen einen Kollagen-Flicken, der mit einem bestimmten Protein getränkt ist. In einem Feldversuch mit Mäusen und Schweinen gelang es dem Team, den Flicken auf die Herzen von Tieren aufzunähen, die einen Herzinfarkt hatten. Der Flicken unterstützt das Wachsen von gesunden Zellen und sogar neuen Blutgefäßen. Somit wurde eine bessere Versorgung der beschädigten Areale mit Nährstoffen gewährleistet und die Narbenbildung vermindert. Laut Pilar Ruiz-Lozano, einem der Hauptautoren der in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Studie, würden diese Ergebnisse die Tür zu völlig neuen Behandlungsmethoden öffnen.

Herzinfarkte sind nicht mehr so gefährlich wie vor einigen Jahrzehnten. Die moderne Medizin hat erstaunliche Fortschritte gemacht und kann so hohe Überlebensraten garantieren. Etwas anders sieht es jedoch mit den langfristigen Folgen aus. Mit diesem Problemkomplex hat sich das Team um Pilar Ruiz-Lozano von der Universität Stanford beschäftigt. Inspiration fanden die Wissenschaftler im Tierreich. Bestimmte Fische können ihren Herzmuskel regenerieren, wenn dieser beschädigt wird. Die Forscher fanden heraus, dass bei den Tieren das Außenblatt des Herzbeutels, das Epikard, die Regeneration des Muskels durch sich duplizierende Herzmuskelzellen anregt.


Nächster Schritt: Studie am Menschen

Biologisch betrachtet handelt es sich bei dieser angeregten Regeneration um einen erstaunlichen Vorgang. Um ihm auf den Grund zu gehen identifizierten die Forscher mittels Massenspektrometrie mehr als 300 Proteine im Epikard, die eine potentielle Rolle bei der Regeneration spielten. Unter diesen Proteinen gelang es schließlich, ein Protein als Ursache zu identifizieren: Follistatin-like 1 (FSTL1). Dieses Protein stellte den Schlüssel zur Entwicklung des Flickens dar. Neben seiner regenerativen Wirkung stellt das Protein sicher, dass der Flicken nicht vom behandelten Herz abgestoßen wird.

In der Tierstudie gelang es dem Team, die Herzfunktion acht Wochen nach der Behandlung nahezu vollständig wieder herzustellen. Die ersten Studien mit menschlichen Probanden wurden für 2017 angesetzt.

via IFLScience

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