Man könnte annehmen, dass Stimmbänder nicht gerade weit oben stehen, wenn es um künstliche Gewebe aus dem Labor geht. Allerdings ist die Zahl an Patienten mit Stimmstörungen weltweit hoch, die Belastung für die Gesundheitssysteme also ebenso. Es muss also eine Lösung her. Erste Schritte gelang nun einem Team von Forschern der University of Wisconsin-Madison, indem sie künstliche Stimmbänder in Versuchstiere einpflanzten.


Foto:  Strike The Chord and Burn, Will Fisher, Flickr, CC BY-SA 2.0
Foto: Strike The Chord and Burn, Will Fisher, Flickr, CC BY-SA 2.0

Keine Stimme ohne Stimmbänder

Die Stimmbänder – der Name sagt es schon – sind für die Erzeugung unserer Stimme verantwortlich. Dabei handelt es sich um zwei kleine Bänder aus spezialisiertem Gewebe im Larynx, die von einer Schleimhaut bedeckt sind. Durch schnelle Vibrationen wird die durch den Kehlkopf strömende Luft in Schwingungen versetzt und so Laute erzeugt. Für eine Vielzahl von Verletzungen der Stimmbänder sind verschiedene Krebsformen verantwortlich, allen voran allein der Logik halber Kehlkopfkrebs. Das Heilungspotential der Stimmbänder nach Verletzungen ist stark eingeschränkt, da sich lediglich Narbengewebe, nicht aber neues spezialisiertes Stimmbandgewebe neu bildet. In Einzelfällen kann eine Verbesserung der resultierenden Stimmstörungen durch Kollagen-Injektionen erreicht werden, aber in vielen Fällen bleibt dies erfolglos.

Erfolgreiche Transplantation bei Tieren

Da immer mehr Gewebe im Labor gezüchtet wird, sahen die Wissenschaftler die Chance, so auch Stimmbänder erzeugen zu können. Das Team entnahm Zellen aus der Schleimhaut der Stimmbänder eines Kadavers und mehrerer Patienten, denen der Kehlkopf chirurgisch entfernt wurde. Diese wurden im Labor kultiviert und dann auf ein Kollagen-Gerüst aufgetragen, um das Wachstum zu steuern. Das Resultat nach zwei Wochen war eine fast perfekte Stimmband-Schleimhaut. Diese künstlichen Stimmbänder wurden dann in Hunde-Kadaver verpflanzt, um ihre Fähigkeit zum Erzeugen von Lauten nachzuweisen.


In einem weiteren Schritt wurden die Stimmbänder in lebende Mäuse verpflanzt. Das Immunsystem von Mäusen ähnelt dem von Menschen, sodass so bewiesen werden konnte, dass es bei den künstlichen Stimmbändern zu keiner Abstoßung kommt.

Bis die Ergebnisse der Experimente in klinischen Behandlungen umgesetzt werden wird noch viel Zeit vergehen. Ein Schritt in die richtige Richtung ist in jedem Fall gemacht.

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