In Wuppertal werden ab Februar zehn Linienbusse jeweils mit einer Brennstoffzelle angetrieben. In Kombination  mit CO2-neutral produziertem Wasserstoff, sind die Busse mit einer Kapazität von bis zu 75 Fahrgästen klimaschonend unterwegs. Geliefert werden die umweltschonenderen Busse von der belgischen Firma van Hool. Auf der Suche nach Alternativen zum Dieselbus, führte für die Wuppertaler Stadtwerke kein Weg an der Brennstoffzelle vorbei. Rein Batterie betriebene Elektrobusse kamen aufgrund der Höhenunterschiede nicht in Frage. Neben den Wasserstoffbussen, wird Wuppertal auch zunehmend in die Elektrolyse zur Erzeugung von grünem Wasserstoff investieren. Und um alles entsprechend abzurunden wird es dann auch noch eine neue Betankungsanlage geben.


Bei einem Treffen von durch die EU geförderten Projektträgern in Wuppertal konnten die WSW bereits einen Brennstoffzellenbus präsentieren. Bild: Wuppertaler Stadtwerke wsw-online.de

Das örtliche Müllheizkraftwerk liefert den Strom

Grüner Wasserstoff kann zum einen über Elektrolyse aus Ökostrom, zum anderen jedoch auch mittels biotechnologischer Verfahren aus Algen gewonnen werden. Um den Einsatz in Zukunft weiter vorantreiben zu können, investieren die Wuppertaler Stadtwerke im Rahmen des Projekts H2-W auch in einen Elektrolyseur und eine neue Betankungsanlage. Die passende Örtlichkeit wurde ebenfalls gefunden. Und so wurde das Müllheizkraftwerk von AWG als unmittelbarer Nachbar auserkoren. Den Strom für den Elektrolyseur beziehen die Projekt-Initiatoren aus dem Kraftwerk. Ab Februar soll die Anlage in Betrieb genommen werden und grünen Wasserstoff für die 10 neuen Linienbusse produzieren.

Die Busse mit Brennstoffzellentechnologie sind 12 Meter lang und wiegen 14 Tonnen. Das Herzstück bildet jeweils eine 85-Kilowatt-Brennstoffzelle. Diese ist an eine Lithium-Titanat-Oxyd-Batterie gekoppelt. Insgesamt beträgt die maximale Wechselleistung 210 Kilowatt.


Für den Betrieb der zehn neuen Wasserstoffbusse in Wuppertal ist eine Leistung von 1 Megawatt erforderlich. Die Speichermenge der Anlage ist mit 425 Kilogramm Wasserstoff ausreichend. Die Brennstoffkosten der eigenen Busflotte sollen so niedrig wie möglich gehalten werden. Daher wird der preiswerte Strom des Müllheizwerks genutzt. Geplant ist, dass der grüne Wasserstoff genau dann produziert wird, wenn die Marktpreise für den produzierten Strom gerade im Keller sind. An diesem Punkt rechnet sich der Eigenverbrauch mehr.

Start des nachhaltigen Linienverkehrs noch in diesem Jahr

Im Februar werden die letzten vier Linienbusse von van Hool ausgeliefert und noch in diesem Jahr soll der Linienverkehr mit den ökologischen Bussen aufgenommen werden. Wuppertal beweist damit, dass es nicht allein nur auf einen nachhaltigen Antrieb ankommt, sondern eher die Verzahnung mehrerer, schon in der Praxis gängigen Verfahren und Möglichkeiten, der Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg ist. Für die neuen Linienbusse wird das Personal entsprechend geschult. Auch Erweiterungen der Werkstätte werden durchgeführt.

Die Klimabilanz der Brennstoffzellenbusse

Im Vergleich zu Dieselbussen, sollen die neuen Brennstoffzellenbusse knapp 700 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Für das gesamte Wasserstoffbus-Projekt fielen Gesamtkosten in Höhe von 12 Millionen Euro an. 5,5 Millionen Euro entfielen auf die Errichtung der Produktionsanlage für den grünen Wasserstoff. Die restlichen 6,5 Millionen Euro sind die Kosten für die Anschaffung der Fahrzeuge.

Aktuell erleben die sogenannten Power Fuels wieder einen kleinen Hype. Ein Trend, den es zu unterstützen gilt. Ein Trend, der jedoch seitens der Politik aktuell nicht so beliebt ist. Hier wird ganz klar die Elektroautostrategie forciert. Und dennoch weht so manches Fähnchen im Wind, wie Wuppertal jüngst beweist. Auch Forscher aus Sachsen sind in der Lage eine positive Bilanz in Sachen grünem Kraftstoff zu ziehen.

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2 Kommentare

  1. Roma

    6. Januar 2020 at 19:14

    Müllverbrennung ist „grün“? Seit wann denn das?

  2. Stefan

    7. Januar 2020 at 08:43

    Grundsätzlich ist das Projekt zu begrüßen. Zumindest was den Betrieb der Busse mit Wasserstoff angeht. Leider sehe ich bei der Produktion des Stroms nicht wirklich den „grünen Ansatz“! Ein Müllheizkraftwerk (=Müllverbrennungsanlage) ist ein Stromerzeuger wie jedes andere schmutzige Kraftwerk. Es entsteht Dreck, CO2 und andere Gase und Partikel.
    Im Übrigen sehe ich auch die Entwicklung der Freiberger Forscher in Sachen „Grünen Kraftstoff“ etwas fraglich. Natürlich handelt es sich beim Rohprodukt CO2 um Abgase aus Industrieanlagen. Deren Ausstoß wird jedoch nur auf die Straße verlagert. Außerdem geht beim Hin und Her zwischen den verschiedenen Zuständen bis zum finalen Endprodukt viel zu viel Energie verloren.
    Für mich also zwei ungenügende Ansätze!

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