Weltweit betrachtet gibt es nur eine handvoll Länder, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen, ein eigenes Internet ohne internationale Verbindungen aufzubauen. Dazu gehören beispielsweise der Iran und Nordkorea. Auch China beschreitet einen ähnlichen Weg und blockiert mit der „Great Firewall“ viele Angebote. Ein von der Duma in Moskau verabschiedetes Gesetzt weckt nun die Befürchtung, dass ähnliches auch in Russland geplant sein könnte. Konkret sieht der Entwurf drei Maßnahmen vor:


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Bild: frankieleon, Flickr, CC BY-SA 2.0

Das Gesetz besteht aus drei Kernpunkten

1. Die russischen Internetprovider werden gezwungen, Software zu installieren, mit der die Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor den Datenverkehr gezielt lenken kann. Glaubt man der russischen Regierung ist dies eine Notfallmaßnahme, um auf einen Cyberangriffs oder eine Internetblockade von außen zu reagieren. Interessant in diesem Zusammenhang: Seit die Regierung versprochen hat, die Kosten für die notwendige Soft- und Hardware zu übernehmen, ist der Protest der russischen Internetfirmen deutlich leiser geworden.

2. Der Datenverkehr soll gefiltert werden, wodurch wiederum Seiten und Dienste gezielt blockiert werden können. Schon heute sind einige Angebote theoretisch gesperrt – zum Beispiel LinkedIn. Sie können aber mithilfe eines VPN-Dienstes vergleichsweise einfach dennoch aufgerufen werden. Dem soll in Zukunft ein Riegel vorgeschoben werden. Auch der Messengerdienst Telegram stand bereits einmal im Visier der Behörden und könnte nun erneut Ziel einer staatlichen Sperre werden.


3. Russland will ein eigenes Domain Name System (DNS) aufbauen. Die Endungen .ru und .su würden dann von einer staatlichen Stelle vergeben. Auch dies dürfte wohl geschehen, um nicht genehme Adressen gar nicht erst auf den Markt kommen zu lassen.

Schon heute ist die Situation in Russland schwierig

Mitte des vergangenen Monats hatten in Moskau rund 15.000 Personen gegen das Gesetz protestiert. Dennoch nahm das Parlament den Entwurf nun mit großer Mehrheit an. Schon heute lässt sich beobachten, dass die russische Regierung die Zügel in Sachen Internet stark anzieht. So sind mittlerweile 160.000 Seiten von staatlicher Seite aus gesperrt worden. Einige hundert Nutzer wurden zudem aus unterschiedlichen Gründen verurteilt. Als es in der Teilrepublik Inguschetien zu Protesten gegen eine neue Grenzziehung kam, wussten sich die Behörden ebenfalls zu helfen. Sie schalteten in der Region einfach das 3G- und 4G-Netz ab. Videos der Kundgebungen konnten so nicht direkt in den sozialen Netzwerken geteilt werden.

Via: The Guardian

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