Wer tot ist, der ist tot. Dieser Satz, der redundant klingt, erlangt aktuell in der Wissenschaft wieder Bedeutung. Ein kontroverses Projekt beschäftigt sich mit der Möglichkeit, bestimmte Hirnareale nach dem Hirntod wieder zu aktivieren, und nun erlangten Forscher der University of Washington weitere Erkenntnisse über den Prozess des Sterbens. Sie fanden nämlich Gene im menschlichen Körper, die erst nach dem Tod aktiviert werden.


Gencode Editor in Planung

Gene sind nach dem Tod aktiv

Sterben ist ein Prozess. Es wird nicht einfach ein Schalter umgelegt, sondern der Körper stirbt in unterschiedlichen Phasen. Einige davon liegen zeitlich deutlich nach dem eigentlichen Todeszeitpunkt, wie etwa das Absterben der Hautzellen. Zu den Prozessen, die nach dem Todeszeitpunkt stattfinden, gehört nun auch ein genetischer Prozess.


In einer neuen Studie, die von einem Team rund um den Mikrobiologen Peter Noble in der Zeitschrift BioRxiv veröffentlicht wurde, fanden Wissenschaftler heraus, dass bestimmte Gene erst nach dem Tod aktiv werden.

Während wir leben, wird in unseren Zellen kontinuierlich DNA gelesen und transkribiert. Dabei fungiert ein Enzym namens mRNA als Bote zwischen den genetischen Informationen und der Synthese von Proteinen. Es scheint logisch, dass dieser Prozess nach dem Tod einfach zum Erliegen kommt. Die Autoren der Studie fanden jedoch heraus, dass die Menge an mRNA, die mit bestimmten Genen assoziiert ist, in den Zellen von Mäusen und Zebrafischen Tage nach deren Tod nach oben schnellte. Dies deutet auf einen Anstieg der Transkription hin.

Zombie-Gene werden nach dem Tod aktiv

Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt 36.811 Zebrafisch- und 37.368 Mäuse-Gene, von denen 518 Mäusegene noch Stunden nach dem Tod aktiv waren. Bei den Fischen waren es 540 Gene, die sogar noch vier Tage lang aktiv waren. Noch viel überraschender war es, dass das Team dann auch Gene fand, die sogar erst nach dem Tod aktiv wurden. Das legt die Vermutung nahe, dass diese Gene von anderen Genen unterdrückt werden und nach deren Untergang aktiv werden können. Diese „untoten“ Gene sind laut der Studie typisch für die embryonale Entwicklung, was dann bedeuten würde, dass der Sterbe- und Degenerierungsprozess eine enge Verbindung zu der Entstehung von Leben hat.

Andere dieser erst post mortem aktivierten Gene haben Einfluss auf das Immunsystem oder den Stresslevel. Es gibt auch Zombie-Gene, die das Wachstum von Krebszellen beeinflussen. Noble vertritt die Theorie, dass diese Gene dafür verantwortlich sein könnten, dass die Empfänger von Spenderorganen häufiger an Krebs erkranken.

Noble möchte seine Forschung unbedingt weiter betreiben. Er ist schon seit Langem fasziniert von den Vorgängen in den Körpern toter Lebewesen und sieht in deren Verständnis den Schlüssel zum Verständnis für das Leben.

via ScienceAlert.com

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1 Kommentar

  1. Christoph

    28. Juni 2016 at 22:27

    So, nun überlegen wir mal. Nehmen wir an, dass man diese Gene mit einem Medikament unterdrücken könnte. Das wäre für Empfänger von Organen echt praktisch. Das hieße aber, dass man noch im Krankenwagen dem Patienten das Zeug spritzen muss. Dann sagen die Sanitäter, dass die Sterbewahrscheinlichkeit so hoch ist, dass man schon daran denken kann.

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