Die Stromversorgung Südkoreas basiert zu einem nicht unerheblichen Teil auf den sechzig Kohlekraftwerken des Landes. Immerhin vierzig Prozent der landesweiten Stromversorgung werden auf diese Weise gedeckt. Doch in den nächsten Monaten ist die Regierung gezwungen, die Kapazitäten der Kraftwerke massiv zu drosseln. Konkret sollen bis zu fünfzehn Anlagen für drei Monate komplett abgeschaltet werden. Bei den anderen Meilern wird die Leistung auf achtzig Prozent gedeckelt. Der Hintergrund: Die Regierung steht massiv unter Druck, weil die Bevölkerung die hohe Luftverschmutzung nicht länger hinnehmen möchte. In Südkorea wird in diesem Zusammenhang sogar schon von einer „sozialen Katastrophe“ gesprochen. Durch die Abschaltung der Kraftwerke sollen die Feinstaubemissionen um bis zu 44 Prozent reduziert werden.


Bild: Decumanus at English Wikipedia. [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

Die Regierung forciert Einsparungen beim Stromverbrauch

Der Zeitpunkt der Abschaltung ist allerdings etwas ungewöhnlich. Denn in den Wintermonaten steigt der Stromverbrauch noch einmal deutlich an. Grundsätzlich werden in dieser Zeit daher eher mehr als weniger Kraftwerke benötigt. Die Regierung reagiert auf dieses Dilemma mit einer nicht ganz unvernünftigen Idee: Das Problem soll durch Einsparungen beim Stromverbrauch gelöst werden. Dazu beitragen soll unter anderem auch der Einzelhandel. So droht Ladenbesitzern, die ihre Tür dauerhaft offen stehen lassen, zukünftig eine Geldbuße in Höhe von bis zu drei Millionen Won – was in etwa 2.300 Euro entspricht. Trotz solcher und ähnlicher Maßnahmen ist es aber noch ungewiss, ob die Kalkulation der Regierung tatsächlich aufgeht. Dass sie sich dennoch zur Abschaltung der Kraftwerke entschlossen hat, zeigt, wie dramatisch die Situation in Sachen Luftverschmutzung tatsächlich ist.

In Asien sind Probleme mit der Luftqualität keine Seltenheit

Damit steht das Land in Asien allerdings keineswegs alleine da. So kämpft auch China seit einigen Jahren mit ähnlichen Problemen. Im Reich der Mitte wurden daher zahlreiche geplante neue Kohlekraftwerke letztlich doch nicht gebaut. Lange Zeit wurde in Südkorea auch vermutet, dass die Luftqualität im eigenen Land durch herüberwehenden Feinstaub aus China belastet wird. Inzwischen hat sich aber offensichtlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass auch die eigenen Kohlekraftwerke an der Situation nicht ganz unschuldig sind. Als Stadt mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit gilt allerdings weder Seoul noch Peking, sondern Neu Delhi. Dort griff sogar bereits das Oberste Gericht des Landes ein und verdonnerte die indische Regierung zu Gegenmaßnahmen.


Via: Tagesspiegel

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