Schon seit einiger Zeit werben Politiker für eine deutsche Batteriezellen-Produktion. Bisher allerdings wird der Markt fast ausschließlich von asiatischen Herstellern dominiert. Die deutschen Autobauer etwa beziehen die Batteriezellen von ausländischen Zulieferern und setzen diese dann nur noch zu einzelnen Akkus zusammen. Diese Vorgehensweise ist zunächst weniger kostenintensiv, weil keine hohen Investitionen getätigt werden müssen. Sie ist aber auch riskant, weil man einen entscheidenden Teil des Produktionsprozesses nicht mehr selbst in der Hand hat. Diese Erfahrung muss – einem Bericht des Bayerischen Rundfunks zufolge – aktuell Audi machen. Denn der Ingolstädter Autobauer erhält für sein Werk in Brüssel nicht ausreichend Batteriezellen, sodass die Produktion des E-Tron dort gedrosselt werden musste.


Bild: Audi AG

Wollte LG Chem eine Preiserhöhung durchsetzen?

Statt der eigentlich geplanten 300 Fahrzeuge pro Tag können daher aktuell nur 150 produziert werden. Für die 20.000 Vorbesteller dürfte dies zu längeren Wartezeiten führen. Geliefert werden sollen die Batteriezellen eigentlich von der asiatischen Firma LG Chem, die ein eigenes Werk in Polen betreibt. Dem Vernehmen nach soll man dort aber mit der hohen Nachfrage überfordert sein. Schon im Oktober gab es Gerüchten zufolge Unstimmigkeiten zwischen den beiden Unternehmen. So wollte LG Chem angeblich eine Preiserhöhung um zehn Prozent durchsetzen. Audi verweigerte diese jedoch. Die benötigten Batteriezellen einfach woanders einzukaufen, ist allerdings auch keine Option. Denn weil so gut wie alle Autobauer inzwischen massiv in die Elektromobilität investieren, sind die Fabriken für Batteriezellen alle ausgelastet.

Der E-Tron hatte schon öfter mit Verzögerungen zu kämpfen

Audi selbst wollte die konkreten Probleme bei der Lieferung von Batteriezellen nicht bestätigen. Ein Unternehmenssprecher sprach stattdessen allgemein von „Herausforderungen“, die man gemeinsam mit den Zulieferern meistern wolle. Außerdem versuchte er, die Verzögerungen positiv umzudeuten und sie als Beleg für die hohen Qualitätsstandards des Autobauers zu werten. Es handelt sich allerdings nicht um die erste Verschiebung im Zusammenhang mit dem E-Tron. Schon die Präsentation des Fahrzeugs und die erste Auslieferung erfolgten jeweils deutlich später als eigentlich angekündigt. Völlig unbekannt ist dies in der Branche nicht. Auch Tesla hatte beim Mittelklassewagen mit massiven Produktionsproblemen zu kämpfen und konnte lange die eigenen Zielvorgaben nicht einhalten.


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