Auf der Grünen Woche im vergangenen Jahr erwies sich ein Insektenburger als überraschender Verkaufsschlager. Die Vertreter des Herstellers mussten ihren Stand schon einige Tage vor dem Ende der Messe räumen, weil alle 5.000 Probierportionen vergriffen waren. Inzwischen ist der Burger auch bei Rewe erhältlich und wirbt vor allem mit einem hohen Proteingehalt und einem vergleichsweise kleinen ökologischen Fußabdruck. Von diesen Vorteilen will nun auch der Geflügelzüchter Wiesenhof profitieren. Das Unternehmen hat daher bei der Europäischen Union beantragt, dem Tierfutter zukünftig Insektenmehl beimischen zu dürfen. Bisher untersagen dies Vorschriften, die einst im Zuge der BSE-Krise Anfang des Jahrtausends erlassen wurden. Sollte dem Antrag stattgegeben werden, will Wiesenhof langfristig vollständig auf Soja im Tierfutter verzichten.


Larven der Soldatenfliege. Bild: Gemeinfrei

Die Soldatenfliege sorgt für die benötigten Proteine

Der Hintergrund: Zuletzt war der Soja-Anbau in Südamerika verstärkt in die Kritik geraten. Denn immer wieder kommt es dort zu Rodungen des Regenwalds, um zusätzliche landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. Alleine der Mutterkonzern von Wiesenhof, die PHW-Gruppe, verfüttert aktuell pro Jahr 240.000 Tonnen Sojaschrot. Dieser stammt eigenen Angaben zufolge zwar von zertifizierten Anbauflächen. Dennoch wäre es aus Sicht des Umweltschutzes gut, hier eine nachhaltige Alternative zu finden. Diese soll das kanadische Unternehmen Enterra liefern. Oder genauer gesagt: Die von dem Unternehmen verarbeiteten Soldatenfliegen. Denn diese wachsen auf Nahrungsmittelabfällen heran und wandeln die dort enthaltenen Nährstoffe in Eiweiß und Fett um. Anschließend können sie zu einem proteinreichen Pulver zermahlen werden.

Noch ist die Nutzung nicht genehmigt worden

Auf diese Weise lässt sich aus zwei Kilogramm Biomüll letztlich ein Kilogramm Insektenmehl gewinnen. Bei Wiesenhof sollen die gemahlenen Insekten dann vornehmlich an Geflügel verfüttert werden. Grundsätzlich könnten aber beispielsweise auch Schweine auf diese Art mit Proteinen versorgt werden. Zunächst muss nun aber die Entscheidung der EU-Behörden abgewartet werden. Sollte diese negativ ausfallen, könnte das Insektenmehl theoretisch in Ländern außerhalb der EU getestet werden. Wiesenhof wäre dann allerdings vermutlich nicht mehr mit von der Partie. Denn das Unternehmen betreibt den Großteil seiner Ställe in Deutschland und müsste sich in diesem Fall nach anderen Alternativen zum Soja umschauen. Noch sind die Manager des Geflügelzüchters aber zuversichtlich eine Genehmigung zu erhalten.


Via: FAZ

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