Immer mehr Menschen und Häuser mit einem eigenen Stromanschluss zu versorgen, ist ein erklärtes Ziel der weltweiten Entwicklungspolitik. Gleichzeitig steht allerdings die Befürchtung im Raum, dass die Elektrifizierung der Schwellen- und Entwicklungsländer, zu einem enormen Anstieg der C02-Emissionen führen könnte. Sollte eines Tages jeder Inder den individuellen C02-Fußabdruck eines US-Bürgers haben, würde dies zu einer erheblichen Steigerung des Treibhauseffekts führen. Wissenschaftler haben deshalb die Elektrifizierung Indiens in den letzten 30 Jahren und deren Auswirkung auf die C02-Bilanz des Landes untersucht. Das Ergebnis: Die neu ans Stromnetz angeschlossenen Haushalte sind keineswegs der Hauptantrieb hinter dem Anstieg der indischen CO2-Emissionen.


Hunderte Millionen Einwohner mit neuem Stromanschluss

Indien eignete sich als Untersuchungsland besonders gut, weil es dort eine große Zahl an Fallbeispielen gibt. So wurden zwischen 1981 und 2011 insgesamt rund 650 Millionen Menschen mit einem eigenen Stromanschluss versorgt. Trotzdem sind zwar noch immer rund 400 Millionen Einwohner ohne eigene Energiequelle. Dennoch lassen sich aufgrund des doch enormen Anstiegs neuer Stromanschlüsse, die Auswirkungen auf die Emissionen des Landes besonders gut untersuchen. Zumal die Elektrifizierungskampagnen des Landes ordentlich dokumentiert sind. Das Ergebnis der Untersuchung: Die zunehmende Stromversorgung der Haushalte des Landes sorgte für zusätzliche 50 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen.


Stromanschlüsse steigern den Wohlstand

Das mag zunächst nach viel klingen, man muss diese Zahl aber einordnen. Betrachtet man nämlich den gesamten Anstieg der CO2-Emissionen Indiens in diesem Zeitraum, so wird deutlich, dass die zusätzliche Elektrifizierung lediglich für 3-4 Prozent der Steigerung verantwortlich ist. Bei der Bekämpfung des kollektiven CO2-Fußabdrucks muss das Land daher an anderer Stelle ansetzen. Die erfolgreichen Elektrifizierungskampagnen hingegen sollten fortgesetzt werden. Denn sie erfüllen ihren Zweck durchaus. Auch dies ist nämlich ein Ergebnis der Studie: Durch den Anschluss an das Elektrizitätsnetz ist der Wohlstand der betroffenen Haushalte gestiegen. Dies wiederum sorgte indirekt dann wieder für steigende CO2-Emissionen, weil sich der Lebensstil der Leute änderte. Aber selbst wenn man diesen, schwer zu berechnenden, indirekten Effekt mit einkalkuliert, kommt man nur auf einen Steigerungsanteil zwischen 11 und 25 Prozent.

Erneuerbare Energien sollten in den Energiemix

Die Studie empfiehlt Indien dennoch grundsätzlich, den Energiemix um erneuerbare Energien zu erweitern. Forschungen hätten ergeben, dass diese nicht nur die CO2-Bilanz verbessern, sondern auch zahlreiche weitere positive Effekte erzielen. So sorgen sie für weniger Belastungen für die Bewohner und die Umwelt und können zur Entstehung von Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen beitragen. Zudem verringern sie aus geopolitischer Sicht die Abhängigkeit von Staaten mit fossilen Energieträgern unter der Erde. Inwieweit die indische Regierung diese Anregungen aufnehmen wird, bleibt abzuwarten. Die Elektrifizierungsrate des Landes allerdings dürfte weiterhin zunehmen und damit auch Vorbild sein für andere Schwellen- und Entwicklungsländer.

Quelle: Phys.org

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