Jeden Tag legen in den Häfen Indonesiens unzählige Containerschiffe an. Nicht alle eingeführten Waren können von den Zollbeamten überprüft werden. Doch bei einer Produktgruppe entschieden sich die Staatsdiener zuletzt, einmal genauer hinzuschauen. Sie nahmen daher 65 Container, in denen laut den mitgeführten Dokumenten reiner und sortierter Kunststoffabfall sein sollte, genauer unter die Lupe. Das Ergebnis: Nur 16 der Container entsprachen tatsächlich den gesetzlichen Vorschriften. In 38 der Transportbehälter entdeckten die Experten sogar giftige Stoffe, die niemals hätten exportiert werden dürfen. In weiteren elf Containern befanden sich zudem nutzlose Abfälle – die aber als wertvolles Recycling-Material deklariert waren. Die indonesische Regierung fand dies alles andere als lustig und ordnete an: Die betroffenen Container werden in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt.


Die Abfälle gelten in Deutschland offiziell als recycelt

Betroffen davon sind Frankreich, die USA, Australien, Hongkong und die Bundesrepublik. Im Fall von Deutschland ist dies besonders pikant. Denn das Land bezeichnet sich oftmals als Recyclingweltmeister. Tatsächlich weisen die offiziellen Statistiken eine Recyclingquote von 66 Prozent aus – was weltweit einen Spitzenplatz bedeutet. Allerdings ist die Definition von Recycling hierzulande etwas ungewöhnlich. Denn gezählt werden alle Abfälle, die bei einer Recyclinganlage angeliefert werden – selbst wenn diese anschließend ins Ausland exportiert werden. Die nun in Indonesien aufgefallenen Container dürften offiziell also auch als recycelt gelten. Hinzu kommt: Nur rund dreißig Prozent des Plastikmülls werden tatsächlich stofflich wiederverwertet. Ein deutlich größerer Teil geht in die thermische Verwertung. Was schlicht bedeutet, dass der Abfall verfeuert wird.


Zukünftig gelten strengere Regeln für den Export

Indonesien ist zudem nicht das einzige Land, das sich gegen den unkontrollierten Müllexport stemmt. Zuvor hatte schon China entsprechende Einfuhren vollständig untersagt. Malaysia machte zudem vor einigen Monaten schon Schlagzeilen, indem es den illegal angelieferten Müll wieder zurückschickte. Inzwischen scheint sich auch bei den westlichen Regierungen ein gewisses Problembewusstsein entwickelt zu haben. So verpflichteten sich im Rahmen der sogenannten Baseler Übereinkunft zahlreiche westliche Länder, zukünftig in der Regel nur noch gereinigten, sortierten und recycelbaren Abfall zu exportieren. In allen anderen Fällen wird in Zukunft eine Genehmigung der Behörden benötigt. Weil die sortenreinen und hochwertigen Plastikabfälle aber auch bei deutschen Recycling-Betrieben beliebt sind, dürfte dies für einen deutlichen Rückgang der umstrittenen Exporte sorgen.

Via: Jakarta Post

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