Das Leben in der Polarkreis-Region ist ein anderes als hier und das auf eine extreme Art und Weise. Benjamin und Ingrid Hjertefølger ließen sich jedoch nicht beirren und verwirklichten ihren Traum. Dieser beinhaltete, zusammen mit ihren vier gemeinsamen Kindern, in einem natürlichen Haus (Nature House) auf der Island of Sandhornøya im nördlichen Norwegen zu leben. Vor vier Jahren begann die Familie mit der Errichtung des Cob-Hauses, welches von einer geodätischen Kuppel umgeben ist. Die Kuppelschützt das Haus und sorgt im Inneren für ein angenehmes, trockenes Klima. Zusätzlich wird das Haus mit Solarstrom gespeist.


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Gewächshauskuppel und Cob-Haus-Technik

Das ultra grüne Haus wurde für bis zu sechs Familienmitglieder designt. Im Vordergrund standen Nachhaltigkeit und die Herausforderung dem extremen Klima Herr zu werden. Schnell war klar, dass ein gewöhnliches Haus nicht gebaut werden könne. Ein Schutz musste her, und diesen stellt eine riesige geodätische Kuppel dar. Dabei handelt es sich um Konstruktionen von sphärischen Kuppeln mit einer Substruktur aus Dreiecken. Die Kuppeln sind auch von Planetarien bekannt. Sie zeichnen sich durch ihre Stabilität aus und können Erdbeben trotzen. Zudem schützt die halbkugelförmige Glaskuppel vor Wind. Ein weiterer Pluspunkt der Kugelform ist das recht günstige Verhältnis von Material und Volumen. Ursprünglich plante die Familie eine Doppelverglasung, diese hätte allerdings das Budget deutlich gesprengt. Die Schallverteilung aber auch Luftzirkulation ist nahezu optimal. Und letztlich ermöglicht die Kugelform auch eine konstante Sonnenbestrahlung, während des ganzen Tages. Über den Tag verteilt wird die geringste Sonnenlichtreflexion erreicht. Das begünstigt das Klima im Inneren auch für den Anbau von Pflanzen (Gewächshaus). In der kühleren Jahreszeit ist die energetische Nutzung ebenfalls deutlich besser als bei alternativen Bauformen. Auch die Verteilung der Fenster kann beliebig erfolgen, was einen weiteren Vorteil beschreibt.


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Das im Inneren der Kuppel befindliche Cob-Haus vereint alte Bauweisen mit neuen Technologien des ökologischen Hausbaus. Dabei kommen die Baumaterialien aus der unmittelbaren Umgebung. Das hat auch den Vorteil, dass die Natur genau das liefert, was benötigt wird, um in den jeweils vorherrschenden Klimazonen auch effektiv schützen zu können. Die Hjertefølger leben bereits seit drei Jahren in ihrem Traumhaus und versorgen sich auch größtenteils selbst mit Nahrung und Wasser. Das Team von Inhabitat besuchte die Familie jüngst und fragte nach den Herausforderungen und Errungenschaften.

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Ein Traumhaus in einer Traumwohngegend

Die Hjertefølgers (übersetzt Herzfolger) leben mit ihren vier Kindern in dem Natur-Traumhaus im Norden Norwegens. Die geodätische Kuppel wurde von Solardome errichtet und besteht aus einer Einfachverglasung. Zusätzlich halfen Freunde und Nachbarn, um das nachhaltige Haus fertigzustellen. Am 8. Dezember 2013 zog die Familie dann ein. „Das Haus funktioniert so, wie wir gehofft und auch geplant hatten. Wir lieben dieses Haus. Es hat eine eigene Seele und fühlt sich sehr persönlich an. Eine weitere große Überraschung war auch, dass wir uns neu kennenlernten, als wir das Haus gemeinsam bauten“, erzählt Ingrid Hjertefølger. „Der Prozess veränderte und formte uns.“

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Kuppel verlängert Anbauzeit um 5 Monate

Das von einer schützenden Kuppel überdachte Cob-Haus übersteht die extremen Temperaturen und auch die rauen Winde. In den Wintermonaten ist es unmöglich Früchte und Nahrung innerhalb des Domes anzubauen. Schließlich kommen die drei Wintermonate nahezu komplett ohne Sonne aus. Dennoch ermöglicht die Spezialkuppel, dass die Familie fünf Monate länger Obst und Gemüse anbauen kann, als das unter den gewöhnlichen Umständen möglich wäre. Das ist schon ein großer Vorteil und verhilft zu deutlich mehr Unabhängigkeit. Die Hjertefølger bauen Äpfel, Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Kiwis, Grapefruit Tomaten, Gurken, Kräuter, Kürbisse und Melonen an.

Der Anbau von eigenem Essen ist der Anfang von einem nachhaltigen Leben im Naturhaus. Das gesamte Grau- und auch Schmutzwasser, welches die Familie produziert, wird durch Filter wieder aufbereitet, um die Pflanzen zu bewässern und zu düngen. Auch die Reste der Früchte, wie etwa Schalen, werden als Dünger weiterverwendet. Im Haushalt werden nur saubere und wiederverwertbare beziehungsweise biologisch abbaubare Produkte verwendet. Schließlich landet ja ein Großteil der verwerteten Produkte auch wieder im Essen.

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Für die Ewigkeit gebaut

Aber wie steht es um die Haltbarkeit des Hauses? Die Hjertefølger sind sich ziemlich sicher, dass das Haus für die Ewigkeit gebaut ist, sofern es trocken gehalten wird. Cob ist sehr robust und widerstandsfähig. Die Wände müssen nicht gestrichen oder mit Farbe verschönert werden. Das verwendete Naturmaterial (Lehm) ist hell und freundlich.

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„Wenn wir durch das Haus gehen, fühlt es sich anders an wie bei einem normalen Haus. Die Atmosphäre ist einzigartig und die Ruhe ist so stark, dass man die Stille förmlich hören kann. Es ist schwer zu beschreiben. Allerdings wäre es unmöglich gewesen, dieses Gefühl zu portieren, wenn jemand anderes als wir dieses Haus geplant und gebaut hätte oder wenn es ein Haus mit Ecken und geraden Linien gewesen wäre.“, schwärmt Benjamin Hjertefølger.

Weitere beeindruckende Bilder

Bilder: Inhabitat

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2 Kommentare

  1. Franz Angele, Querdenker a.d.Allgäu

    16. Januar 2017 at 16:42

    Alle Hausfrauen träumen von so einem Haus – auf den Frühjahrsputz – auf das Fensterputzen ohne Ende.

  2. Denken Hilft, Normaldenker aus Köln

    30. Januar 2017 at 15:43

    Beiuns putze ich die Fenster, ich bin ein Mann. Wer aber als erstes ans Fensterputzen „denkt“, wenn er diesen Beitrag sieht, hat die Herausforderung nicht begriffen, die der Klimawande für uns alle bedeutet.

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