Indien hat kürzlich die größte Veränderung in Sachen Ausweise und Geldwesen durchgeführt, die das Land und der Großteil der Welt je erlebt hat. Das Land hat eine nationale ID-Datenbank eingeführt und das Bargeld in großen Teilen eliminiert. Der Schritt hat durchaus als Potential, dem Rest der Welt als Vorbild zu dienen.


Bargeld
Foto: Michael Kammler

Auf dem Weg zu einer bargeldlosen Gesellschaft

Im letzten Jahr hat Indien im Zuge eines Planes, das Land zu einer digitalisierten und bargeldlosen Gesellschaft zu führen, die 500 und 1000 Rupien Noten abgeschafft. Mit diesem Schritt wurden effektiv knapp 86 Prozent des sich im Umlauf befindlichen Bargelds wertlos.

Bei dem Schritt handelte es sich um einen der letzten Schritte des Plans. Vorher wurden die Grundsteine gelegt, indem die biometrische Datenbank Aadhaar eingeführt wurde, die 2016 95 Prozent der indischen Bevölkerung mit einem digitalen Beweis ihrer Identität ausstattete. Aadhaar erlaubt es der Bevölkerung mit dem System Indian Stack außerdem, Informationen wie Adressen, Bankauszüge, Gehaltsabrechnungen und Steuererklärungen digital zu speichern und zu verifizieren.


Der Schlüsselaspekt von Indian Stack sind 11 Banken, die jedem Einwohner des Landes digitale Bezahlungen anbieten, aber keine Kredite vergeben können. Durch die Abschaffung eines Großteils des Bargelds musste die Bevölkerung sozusagen auf die digitale Infrastruktur ausweichen. Die Folge war die Neueröffnung von 270 Millionen Konten und Einzahlungen von insgesamt mehr als 10 Milliarden US-Dollar – so schuf die indische Regierung Momentum für eine mögliche Entwicklung zur ersten bargeldlosen Gesellschaft der Welt.

Pilotprojekt für den Rest der Welt

Die Entscheidungen der indischen Regierung wirkt sich nicht nur auf Indien auf, sondern könnte auch Folgen für den Rest der Welt haben. Allerdings scheint die Übergangsphase schleppend zu verlaufen. Bargeld-Transaktionen sind in der indischen Gesellschaft tief verwurzelt, und es wird geschätzt, dass Anfang des Jahres noch etwa 78 Prozent aller Transaktionen innerhalb des Landes mit Bargeld ausgeführt wurden.

Auf lange Sicht hat ein bargeldloses System allerdings durchaus Vorteile. Es wirkt Korruption entgegen und ermöglicht ein deutlich effizienteres Steuersystem. Außerdem könnten finanzielle Transaktionen so deutlich sicherer gestaltet werden.

Auch weltweit könnte der Schritt der indischen Regierung Auswirkungen haben. „It may well be a bitcoin killer or at best provide the framework for how blockchain technology could be applied in the real world“, so Raoul Pal, früher Manager des GLG Global Macro Fund.

Auch wenn das indische System vielleicht nicht unbedingt das Ende von Bitcoin einleiten wird, ist es ein interessantes Experiment, anhand dessen andere Länder viel über eine bargeldlose Gesellschaft lernen können – ein System, das auch in anderen Ländern immer wieder kontrovers diskutiert wird. Auch andere Länder bewegen sich bereits in Richtung der Abschaffung von Bargeld, darunter unter anderem Schweden.

via Business Insider

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2 Kommentare

  1. ryumaru

    6. Juli 2017 at 12:04

    Ach super. Alle Informationen unter einem Dach. Am besten unter der Kontrolle der Banken.
    Die „Vorbildlichen Vorteile“, die hier aufgelistet werden, sind reine Augenwischerei.
    Das ist einfach nur ein bedeutender Schritt zur absoluten Kontrolle über die Bürger.
    Jeder Schritt, jede Bezahlung, wann ich was bei wem gekauft oder welche Transaktion ich durchgeführt habe ist dann für jeden nachvollziehbar, der das wissen möchte. Mal ganz abgesehen davon, dass jedem komplett die Kontrolle über seine eigenen finanziellen Mittel entzogen wird.

    Gruselig, wie man so etwas völlig unreflektiert als „Vorbild“ preisen kann.

  2. Dennis Knake

    6. Juli 2017 at 15:10

    Ging es hier wirklich um die Digitalisierung des Geldes? Indien wollte gegen Korruption und Steuerhinterziehung vorgehen und hat alte Banknoten in einem drastischen Schritt entwertet, die die Bürger aber gegen neue Banknoten eintauschen konnten. Nach Vorlage des Ausweises. Nur ging das leider nur sehr schleppend oder schwer voran. Zum einen hat nicht jeder Inder einen Ausweis und dann war das neue Bargeld auch erstmal Mangelware. Einen Schritt hin zur digitalen Währung erkenne ich da weniger.

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