Die Idee, Europa mit Solarenergie aus Afrika zu versorgen, ist nicht neu. Wirklich umgesetzt wurde sie aber noch nie. Nun könnte sich das ändern. Die tunesische Firma TuNur hat bereits im Juni einen Antrag eingereicht, um 4,5 Gigawatt Solarenergie nach Europa exportieren zu dürfen. Das ist genug Strom für 5 Millionen Häuser oder 7 Millionen elektrische Autos. Wenn die Zusammenarbeit des Energieunternehmens Nur Energie aus Großbritannien mit tunesischen und maltesischen Investoren erfolgreich ist, wird die Energieversorgung in Europa nachhaltig verändert werden.


Bild: TuNur

Afrikanischer Solarstrom für Europa

Nach einem Bericht von The National ist das Projekt bereits recht weit fortgeschritten. Bis 2020 soll ein TuNur Solarkraftwerk in Tunesien mit Malta verbunden werden – eine Leitung, die etwa 1,6 Milliarden Euro kosten soll. Von Malta aus besteht eine Unterwasserleitung nach Sizilien und damit auch zum europäischen Festland. Eine zweite Leitung soll Tunesien mit dem italienischen Festland nördlich von Rom verbinden. Die Möglichkeit eines dritten Kabels zwischen Tunesien und Frankreich wird gerade untersucht. Das Projekt wird dadurch unterstützt, dass die EU plant, die Stromnetze der Mitgliedsstaaten besser zu verbinden.

„Today you have a market in need of low carbon dispatchable power, which has the mechanisms to import power from other countries. Next door is a region with extreme solar resource and in need for investment and development. Finally, there are technologies that can satisfy the demand at very competitive pricing and have a very high local impact“, erklärt Daniel Rich, der COO von TuNur, das Projekt.


Das Vorhaben soll nicht nur Europa mit Solarenergie versorgen, sondern wird auch Anreiz für Investitionen in Tunesien in Höhe von mehr als 5 Milliarden US-Dollar schaffen. Das Projekt soll etwa 20.000 Jobs schaffen – vor allem in unterentwickelten Gegenden.

Sinkender Preis für die Produktion von Solarenergie hilft dem Projekt

Bei dem Projekt soll eine Technologie namens „Concentrated Solar Power“ (CSP) zum Einsatz kommen, bei der Parabolspiegel eingesetzt werden, um einen Turm mit geschmolzenen Salz in der Mitte des Kraftwerks zu erhitzen. So wird letztlich Wasser erhitzt und Wasserdampf produziert, der Turbinen antreibt.

Die initialen Produktionskosten für Energie im Rahmen des Projekts sollen 85 Euro pro Megawattstunde betragen. Rich erwartet, dass der Preis in Zukunft noch deutlich sinken wird.

In der Theorie bietet Nordafrika mehr als genug Platz, um die ganze Welt mit Solarenergie zu versorgen. In der Praxis scheitert dies an der politischen Lage in nordafrikanischen Ländern sowie natürlich an der Infrastruktur für die Verteilung des Stroms. Das Projekt von TuNur ist jedoch definitiv ein guter Schritt, der den Anteil erneuerbarer Energien am europäischen Strompreis deutlich erhöhen dürfte.

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