Norwegen hat einen ambitionierten Plan entwickelt, der ein Novum in Sachen Verkehrs-Infrastruktur darstellen würde. Das Land möchte schwimmende Unterwassertunnel bauen, die es Reisenden ermöglichen soll, die zahllosen Fjords des Landes schnell und unkompliziert zu überqueren. Bisher ist dies nur mit Hilfe von Fähren möglich, was viel Zeit in Anspruch nimmt.


Bild: THE NORWEGIAN PUBLIC ROADS ADMINISTRATION
Bild: THE NORWEGIAN PUBLIC ROADS ADMINISTRATION

Quer durch Norwegen in 10 statt 20 Stunden

Die zweispurigen Tunnel sollen 30 Meter unter der Wasseroberfläche schweben und an schwimmenden Pontons befestigt werden. Das 25 Milliarden Dollar teure Projekt soll die Reisezeit von Kristiansand nach Trondheim minimieren. Aktuell benötigen Autofahrer für die knapp 1100 km lange Strecke etwa 21 Stunden, was an den sieben Fjorden liegt, die auf der Reise überquert werden müssen. Mit den „schwimmenden Brücken“, wie die Tunnel leicht missverständlich benannt werden, würde die Reisezeit auf 10 Stunden 30 Minuten gesenkt werden. Der Bau von herkömmlichen Brücken über die Fjorde wäre herausfordernd und teuer, da diese sehr breit und teilweise fast zwei Kilometer tief sind.

Deswegen griffen die Straßenbaubehörde von der Regionen auf ein bisher nicht dagewesenes Konzept zurück: Unterwassertunnel, die knapp unter der Oberfläche schweben und unter sich noch Hunderte, teilweise sogar Tausende Meter Wasser haben.


Betonröhren unter Wasser

Als erstes soll das Konzept dazu genutzt werden, den etwa einen Kilometer breiten und 1,3 Kilometer tiefen Sognefjord zu durchqueren. Dazu sollen zwei etwa 1,2 Kilometer lange Betonröhren (je eine pro Spur) zum Einsatz kommen, die dicht unter der Wasseroberfläche im Wasser schweben. Als Fixpunkt an der Oberfläche werden schwimmende Pontons verwendet, zur Sicherheit sollen die Röhren eventuell noch am Grund des Fjords verankert werden. Laut Arianna Minoretti von der zuständigen Behörde soll sich die Durchfahrt durch die Röhren wie die Durchfahrt durch jeden anderen Tunnel anfühlen.

Es ist ohne Zweifel ein sehr ambitioniertes Projekt, aber eines, das nach Ansicht von Experten durchaus umsetzbar ist. Das Projekt kombiniert Bautechniken aus dem Tunnelbau mit Pontons, die auch bei schwimmenden Brücken über Wasser zum Einsatz kommen, und Verbindungstechnologien aus dem Bohrinsel-Bau.

Bild: THE NORWEGIAN PUBLIC ROADS ADMINISTRATION
Bild: THE NORWEGIAN PUBLIC ROADS ADMINISTRATION

Der Plan ist noch nicht perfekt

Natürlich ist ein solches Projekt nicht einfach so problemlos umsetzbar. Zum Beispiel ist noch nicht geklärt, ob der Grund der Fjorde geeignet ist, um die Befestigung der Röhren zu ermöglichen. Spätestens bei längeren Unterwassertunneln wären diese aber erforderlich. Außerdem ist noch nicht abschließend untersucht, ob die Konstruktion wirklich in der Lage ist, Wind, Wellen und Strömungen zu widerstehen. Des weiteren muss ein Plan für die Wartung der Röhren entwickelt werden. Die zuständigen Ingenieure arbeiten außerdem daran, die strukturelle Integrität der Röhren soweit zu verstärken, dass sie in der Theorie auch Kollisionen aushalten würden – im schlimmsten Fall einen Zusammenstoß mit einem U-Boot.

Bisher ist das Projekt so ausgelegt, dass der Ausfall von einem, unter Umständen auch zwei Pontons kompensiert werden kann. Außerdem können die Fahrer der Autos im Notfall über wasserdicht verschließbare Verbindungsstücke von der einen in die andere Röhre wechseln.

Momentan ist geplant, die komplette Strecke bis 2035 erschlossen zu haben. Bis dahin muss aber noch viel passieren, und wie die Strecke letztlich gestaltet werden wird, wird sich erst noch herausstellen. Die schwimmenden Tunnel sind nur eine Variante, die zum Einsatz kommen könnte. Möglich sind auch traditionelle Hängebrücken oder etwas konventionellere schwimmende Brücken. Letztere hätten aber den großen Nachteil, den Schiffsverkehr maßgeblich zu beeinträchtigen. Es wäre durchaus auch möglich, dass in den verschiedenen Fjorden letztlich mehrere der Möglichkeiten zum Einsatz kommen.

via Wired.com

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1 Kommentar

  1. David Kummer BGE

    26. Juli 2016 at 13:25

    Letztlich entscheidet doch meist der Preis.
    Aber hier finde ich die Zeitreducktion im Fahren sehr gering! Daher möchte ich mal wieder auf mein eignes Projekt hinweisen das die Reisezeit von 21h auf unter 1h reduzieren würde! Vor allem was das Fertigstellungsdatum angeht, bin ich mir sicher dies ebenfalls gewährleisten zu können!
    Welthandelsnetz

    Transrapidgesteuerte Boxen(Kapseln für eine Europalette) sowie Standardschiffskontainer die durch Röhren unter der Erde ein Weltumspannendes Netz durchlaufen.
    Update: Transrapid wird durch Supraleiter ergänst bzw ganz ersetzt.

    Der Transport innerhalb von Ländern erfolgt über die Box-Variante und setzt dafür kleinere Röhren vorraus. Transport zum Endkunden wird über LKW vor Ort erledigt.

    Der Transport über Ländergrenzen wird mittels Standardschiffskontainer abgewickelt.

    Ziel: Alle Transporte von Europaletten und Schiffscontainer auf die Schiene zurückzubringen und damit dem Verbrauch von Diesel in diesem Bereich auszuschliesen.
    Ergebnis: Reduzierung von Treibhausgasemissionen sowie eine Beschleunigung der Transporte, vor allem für Schiffscontainer von Wochen auf Stunden(Geschwindigkeit über 1000km/h).
    ->
    Das ganze ist Stufe 1 meines Projektes. Stufe 2 beinhaltet den Anschluss aller kleineren Orte(max 30km, bis zum nächsten Aufgabepunkt). Stufe 3 werden alle Orte angeschlossen und zudem der Alltagspersonenverkehr intergriert! Stufe 4 wird das System so erweitert, das die „Boxen“ auch als Taxis auserhalb des Tunnelsystems dienen werden und für längere Strecken in die Röhren gehen. Man wird also daheim abgehohlt und dann diereckt zum Zielpunkt gebracht, egal ob dieser 1km oder 10.000km entfernt ist!

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