»Klein aber oho!« Kaum jemals hat dieser Ausruf besser gepasst, als bezogen auf das Dörfchen Rettenbach im schönen Ostallgäu. Nur etwas mehr als 800 Menschen leben hier am Auerberg, darunter zahlreiche junge Familien – und doch tut sich etwas ganz Besonderes zwischen saftig grünen Wiesen und sanften Hügeln. Das Rettenbach-Phänomen ließe sich mit den Vorgängen im französischen Ort Ungersheim vergleichen, der autarken Elsass-Gemeinde, die es mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit wirklich ernst meint.


Das Allgäu hat vor allem ganz viel zauberhafte Natur zu bieten / Foto: Yvonne Salmen

Ökologisch gut: Tanken an der dorfeigenen Pflanzenöltankstelle

Bereits in den 90er Jahren stellten Rettenbachs Einwohner die Weichen in Richtung Öko-Dorf, in einer Zeit also, als dieser Schritt noch ganz und gar nicht populär war. Entsprechend spöttisch fielen die Reaktionen des Umfelds aus, als immer mehr Dorfbewohner auf Photovoltaik und örtliche Biogasanlagen setzten. Wie ein Puzzle fügte sich ein Element ans Nächste, bis der beschauliche Ort schließlich viel mehr Strom ins Netz einspeiste, als er selbst benötigte. Hinzu kam eine zunehmende Zahl CO2-neutraler Scheitholzanlagen, die im Winter für angenehme Wärme sorgten, bis schließlich niemand mehr Gas oder Strom von auswärts benötigte. Inzwischen tankt sogar die Mehrzahl aller Fahrzeuge kostengünstiges Rapsöl an der dorfeigenen Pflanzenöltankstelle.

Es gibt sogar einen geschlossenen Geldkreis im Ort

Doch das ist längst noch nicht alles: In den Dorfläden finden die Kunden hauptsächlich Lebensmittel aus der direkten Umgebung, die Waren gelangen ganz frisch und ohne lange Transportwege hierher. Bezahlt wird sehr gern mit dem Weichbergtaler, einem Geldstück, das ausschließlich in Rettenbach Gültigkeit besitzt und einen Wert von 5 Euro aufweist. Damit entsteht ein geschlossener Geldkreislauf innerhalb des Ortes, der die Kaufkraft im Dorf hält. Die Münzen selbst besitzen natürlich auch einen gewissen Sammlerwert, ein heimischer Künstler gestaltete ihr Design und schmückte sie mit einer Abbildung der schmucken Weichbergkapelle. Inzwischen feierte der Taler sogar bereits sein zehnjähriges Jubiläum!


Alles in allem ein lebenswertes Dorf mit Öko-Charme

Bürgermeister Wilhelm Fischer hegt zu Recht einigen Stolz auf seine Gemeinde, er freut sich vor allem darüber, dass junge Paare mit Kindern zunehmend den Weg hierher finden und sich dauerhaft ansiedeln. Rettenbach ist eben nicht nur ökologisch wertvoll, sondern es gibt hier auch genügend Arbeitsplätze, Freizeitmöglichkeiten und Geschäfte. Lebenswert erscheint das Allgäu ohnehin, aber dieser Ort setzt ganz gekonnt noch eins drauf!

Quelle: welt.de, all-in.de

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